Zwischenfallmeldungen machen Europas Telekommunikationsinfrastrukturen stabiler

Ein neuer ENISA-Bericht zeigt, wie obligatorische Zwischenfallmeldungssysteme die Stabilität und Sicherheit des europäischen Telekommunikationssektors verbessern. Die Erfahrungen mit dem untersuchten EU-Meldungssystem können auch für die aufkommende Umsetzung der NIS-Richtlinie in anderen Bereichen als Vorbild dienen.

Das erste EU-weite Zwischenfallmeldungssystem stellt sich als voller Erfolg heraus. Es zielt darauf ab, die Sicherheit und Unversehrtheit der europäischen Telekommunikationsnetzwerke und- dienstleistungen zu gewährleisten.

Bis Artikel 13a der Richtlinie 2009/140 /EG, als Teil des EU-Telekommunikationspakets, eine gewisse Einheitlichkeit in Sachen Sicherheit von Telekom-Diensten herstellte, hatten sich die Sicherheitsmaßnahmen für den Telekommunikationssektor in den EU-Mitgliedsstaaten stark voneinander unterschieden. Darüber hinaus trug der Artikel dazu bei, die Stabilität und verfügbaren Services der Telekommunikationsstruktur in der gesamten EU zu verbessern. Fortschritte wurden in ausgewogener Art und Weise durchgesetzt, da einige Mitgliedsstaaten die Vorschriften bereits erfüllten, während andere so stark von den Neuerungen profitierten, dass Kosten und Aufwand schnell in den Hintergrund traten.

Seit vier Jahren sammelt die EU nun Erfahrungen mit Zwischenfallmeldungen, während die Anzahl der Zwischenfälle jährlich um 25 bis 30 % steigt. Eine konsolidierte Wirkungsuntersuchung der ENISA hat die Leistungsfähigkeit des Meldesystems über den gesamten Zeitraum hinweg untersucht und einige wichtige Ergebnisse zutage gebracht, zum Beispiel:

  • Alle Mitgliedsstaaten haben Sicherheitsmaßnahmen und Zwischenfallmeldungssysteme für Festnetz- und mobile Telefonie sowie Festnetz und mobiles Internet eingeführt. Einige gehen aber noch weiter und decken zahlreiche zusätzliche Dienste ab, etwa Rundfunknetzwerke (Fernsehen, Radio) oder sogar länderspezifische Top-Level-Domains (ccTLDs), öffentliches WLAN sowie Internetknoten (IXPs).
  • Die Vereinheitlichung der von den verschiedenen Mitgliedsstaaten eingeführten Regelungen ist derzeit zufriedenstellend, obwohl es noch einige Lücken gibt. Angesichts der bevorstehenden Umsetzung der neuen Richtlinie besteht Raum für weitere Verbesserungen, besonders in den Bereichen Netzwerke und Dienstleistungen.
  • Systemfehler (66 %, zum Beispiel Softwarefehler oder Hardware-Ausfälle) sowie menschliches Versagen (20 %, zum Beispiel Kabelbrüche) sind die Hauptursachen für Störungen in Telekommunikationsinfrastrukturen der EU. Die ENISA wird sich in zukünftigen Studien auf diese Ursachen konzentrieren.
  • Seit dem vergangenen Jahr gab es mehr Fehler von Drittparteien, die ebenfalls eine wichtige Ursache für Störungen bleiben (in 16 % aller Fälle im Jahr 2014 gegenüber 11 % in 2013). In diesem Bereich sind dementsprechend Verbesserungen notwendig, etwa bei der Sicherheit von Lieferketten.

Prof. Dr Udo Helmbrecht , Geschäftsführender Direktor der ENISA, erläutert: „Stabilität im EU-Telekommunikationssektor zu erreichen, ist einer der wichtigsten Bausteine für eine starke digitale Gesellschaft. Die ENISA wird Entwicklungen in diesem Bereich weiterhin unterstützen und ihr Fachwissen für die Umsetzung ähnlicher Regelungen aus der NIS-Richtlinie auch für andere Sektoren nutzen.“

Weitere Analysen sind notwendig, um wirksame Schlussfolgerungen für die nächsten notwendigen Schritte in diesem Bereich zu ziehen. Themen wie Sicherheitsmaßnahmen, die Anbieter von elektronischer Kommunikation umsetzen müssen, Transparenz auf nationaler Ebene sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit müssen weiter untersucht werden, da sie im Rahmen dieser Studie aufgrund ihrer Komplexität nicht ausreichend analysiert werden konnten.

Die Ergebnisse dieses Berichts sowie die Arbeit der Expertengruppe für Artikel 13a sollten als Input für die von der Europäischen Kommission angekündigte Überprüfung des Telekommunikationspakets genutzt werden.

Den ganzen Bericht finden Sie hier

Kontakt für technische Informationen: Dan Tofan, NIS-Experte, E-Mail: Dan.Tofan@enisa.europa.eu

Kontakt für Medienanfragen:  press@enisa.europa.eu , Tel: +30 2814 409576

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