0,88 Euro für Verbraucherschutz ist nicht zu viel!

  • Fluggastrechte stehen vor dem Aus

  • Für Fluggesellschaft ist Verbraucherschutz nicht einmal 1 Euro wert

  • Verhandlungen im EU-Rat gehen in die entscheidende Phase

Potsdam, 7. Mai 2015:

Die Fluggastrechte in Europa stehen vor dem Aus. Wenn die derzeitigen Positionen in den EU-Ratsverhandlungen Realität werden, bekommen Passagiere, die Stunden verspätet an ihr Ziel gelangen, faktisch keine Entschädigung mehr.

„Vor allem zwei geplante Regelungen killen die Fluggastrechte, wenn sie so kommen“, erklärte Philipp Kadelbach, Sprecher der Allianz, heute in Berlin. „Zukünftig sollen Entschädigungen bei Verspätungen erst nach 5, 9 oder gar 12 Stunden gezahlt werden. Das ist schon schlecht genug. Aber die Airlines brauchen gar nichts mehr zu zahlen, wenn ein sogenannter ‘sicherheitsrelevanter Defekt’ zur Verspätung geführt hat. Das ist absurd, weil die Fluggesellschaften alles zu einem solchen Defekt erklären können. Ein Passagier kann faktisch nie das Gegenteil beweisen“, so Kadelbach weiter.

Heutige Regelungen sehen Entschädigungszahlungen ab einer Verspätung von 3 Stunden vor. Bei einem Flug bis zu 1500 km stehen einem Fluggast dann 250 Euro zu. Bei Langstrecken kann dieser Betrag auf 600 Euro steigen.

Philipp Kadelbach hat auf Basis der aktuellen Entschädigungszahlungen einmal nachgerechnet: „Pro verkauftes Ticket sind das 88 Cent, die die Airlines heute zahlen müssen. Das kann doch für Verbraucherschutz nicht zu viel sein!“

Bereits 2013 haben EU-Kommission und EU-Parlament unter dem Druck der Fluggesellschaften Reformvorschläge zur Einschränkung des Passagierschutzes im Rahmen der Fluggastrechte-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 gemacht, die in Brüssel diskutiert werden. Beide bedeuten u.a. in puncto Entschädigungszahlung eine Verschlechterung des Ist-Zustandes für die Verbraucher und eine finanzielle Entlastung der Airlines.

Am 11. Mai trifft sich in Brüssel ein letztes Mal die Ratsarbeitsgruppe zu diesem Thema. Danach werden die zuständigen Minister befasst.  Sollte sich die aktuelle Position in den EU-Ratsverhandlungen bis zur nächsten Sitzung der Verkehrsminister am 11. Juni in Brüssel nicht noch grundlegend ändern, dann verlieren in Zukunft fast alle Passagiere ihren Anspruch auf Entschädigung bei Verspätungen.

Über die Allianz für Fluggastrechte ( #rightsonboard) : Die Allianz für Fluggastrechte wurde ins Leben gerufen, um die Rechte der Flugreisenden zu verteidigen - gegen die kontinuierlichen Bestrebungen der Fluggesellschaften, die Rechtsprechung zu ihren Gunsten zu ändern. Sie setzt sich zusammen aus Unternehmen und Verbraucherverbänden aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Dänemark und Spanien. Ihre Mission ist es, die Passagierrechte zu schützen und die rechtlichen Änderungen, die vom Europäischen Rat vorgeschlagen wurden, zu stoppen.

Weitere Informationen und Berechnungen auf: www.rightsonboard. de

Abdruck frei – Beleg erbeten an

Sprecher der Allianz für Fluggastrechte: Dr. Philipp Kadelbach, Geschäftsführer flightright GmbH

Medienkontakt: Julia Roitsch|Telefon  +49 0331 - 98169044 | germany@rightsonboard.de

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Über uns

Flightright, das Verbraucherportal für Fluggastrechte, hilft Flugpassagieren nach Verspätungen, Umbuchungen oder der Annullierung von Flügen bei der Durchsetzung von Entschädigungsforderungen gegenüber den Fluggesellschaften. Flightright beruft sich auf die Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 der Europäischen Union. Diese spricht Betroffenen von Flugausfällen und Verspätungen eine Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro durch die ausführende Fluggesellschaft zu. Das Verbraucherportal wurde im Frühjahr 2010 von Dr. Philipp Kadelbach gegründet.

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Vor allem zwei geplante Regelungen killen die Fluggastrechte, wenn sie so kommen. Zukünftig sollen Entschädigungen bei Verspätungen erst nach 5, 9 oder gar 12 Stunden gezahlt werden. Das ist schon schlecht genug. Aber die Airlines brauchen gar nichts mehr zu zahlen, wenn ein sogenannter ‘sicherheitsrelevanter Defekt’ zur Verspätung geführt hat. Das ist absurd, weil die Fluggesellschaften alles zu einem solchen Defekt erklären können. Ein Passagier kann faktisch nie das Gegenteil beweisen.
Dr. Philipp Kadelbach, Sprecher der Allianz
Pro verkauftes Ticket sind das 88 Cent, die die Airlines heute zahlen müssen. Das kann doch für Verbraucherschutz nicht zu viel sein!
Dr. Philipp Kadelbach, Sprecher der Allianz