Flüssigkristalle und Mikroorganismen – Promotionsarbeit ausgezeichnet; Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Kurt Binder

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät verleiht 88 Doktortitel

30.01.2013 – Was haben Flüssigkristall-Anzeigen und das Schwarmverhalten von Mikroorganismen miteinander zu tun? Der theoretische Physiker Dr. Raphael Wittkowski untersuchte dies in seiner Doktorarbeit, die im Rahmen der Promotionsfeier der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität ausgezeichnet wird. Darüber hinaus wird im Rahmen der Feierstunde ein verdienter Kooperationspartner der Fakultät, der Mainzer Physiker Prof. Dr. Kurt Binder, mit einem Ehrendoktortitel geehrt.

Dr. Raphael Wittkowski interessiert sich für das kollektive Verhalten von kleinen Teilchen. In seiner in Rekordzeit (15 Monaten) erstellten Promotionsschrift „Brownian dynamics of active and passive anisotropic colloidal particles“ untersuchte der Physiker, wie sich unterschiedlich geartete, miteinander wechselwirkende mikroskopische Teilchen (Dimensionen im Mikrometerbereich) in Flüssigkeiten bewegen und gegenseitig beeinflussen. Er nutzte dazu verschiedene Methoden der theoretischen Physik – etwa die so genannte „klassische dynamische Dichtefunktionaltheorie“ –, die er weiterentwickelte beziehungsweise für die er sowohl analytische als auch mit Hilfe von Computersimulationen numerische Lösungen fand.

Die Forschungsergebnisse von Raphael Wittkowski haben ein vielfältiges Anwendungsspektrum. Er kann damit etwa dynamische Vorgänge in Flüssigkristallen beschreiben, die jeder aus verschiedensten Anzeigegeräten – bis hin zum Flachbildfernseher – kennt. Wittkowski beschäftigte sich auch mit so genannten „Mikroschwimmern“. Diese mikroskopisch kleinen Teilchen bewegen sich aktiv in einer Flüssigkeit fort. Zu ihnen zählen auch lebende Mikroorganismen, deren kollektives Verhalten ebenfalls auf Basis der Arbeiten des Preisträgers beschrieben werden kann.

Für seine Promotionsarbeit wird Raphael Wittkowski mit dem Preis „Beste Dissertation in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 2012“ ausgezeichnet. „Er ist einer der talentiertesten Nachwuchswissenschaftler, denen ich jemals begegnet bin“, so Prof. Dr. Hartmut Löwen, der Doktorvater des Preisträgers. „Seine extrem schnelle und qualitativ hochwertige Promotion ist einzigartig“, so Löwen weiter, der betont, dass er in seiner wissenschaftlichen Karriere keine Person kennen gelernt hat, die in kürzerer Zeit seine Doktorarbeit fertiggestellt hat.

Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Kurt Binder

Im Rahmen der Promotionsfeier wird die Ehrendoktorwürde der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf an den Physiker Dr. Kurt Binder verliehen. Der emeritierte Professor für theoretische Physik an der Universität Mainz hat seit vielen Jahren ein enges Verhältnis insbesondere zur Düsseldorfer Physik. „Prof. Binder hat die Fakultät, insbesondere die Forschung in der Physik, auf vielfache Weise unterstützt“, so Prof. Dr. Christel Marian, Dekanin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Seine Beiträge waren von großer Bedeutung für den in Düsseldorf koordinierten Sonderforschungsbereich TR6 ‚Physik kolloidaler Dispersionen in äußeren Feldern‘, an dem auch die Universität Mainz beteiligt ist. Prof. Marian weiter: „Kurt Binders Engagement und sein exzellenter wissenschaftlicher Ruf waren wesentlich, dass dieser Sonderforschungsbereich nun bereits in seiner dritten Förderperiode erfolgreich arbeitet.“

Kurt Binder, geboren 1944 in Korneuburg/Österreich, studierte Technische Physik an der Technischen Hochschule Wien und promovierte 1969 bei Prof. Helmut Rauch am Österreichischen Institut für Kernphysik. 1973 habilitierte er sich an der Technischen Universität München. Nachdem er 1974 zunächst einen Ruf an die Universität des Saarlandes annahm, wechselte er 1977 als Direktor des Instituts für Theorie II (Institut für Festkörperforschung) ans Forschungszentrums Jülich und wurde Professor der Universität zu Köln. 1983 folgte er schließlich einem Ruf an die Universität Mainz, wo er seit 1989 auch externes Mitglied am Max-Planck-Institut für Polymerforschung ist.

Binder ist Autor von mehr als 1.000 wissenschaftlichen Publikationen und zwölf Monografien. Durch seine Arbeiten hat er insbesondere Monte-Carlo-Simulationen als Standardmethode zur Berechnung von Phasenübergängen in wechselwirkenden Vielteilchensystemen etabliert. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der Berni Alder CECAM Prize der European Physical Society und die Boltzmann-Medaille der Internationalen Union für Reine und Angewandte Physik.

88 Promotionen seit September 2012

88 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (46 weiblich, 42 männlich) erhielten im Rahmen der Promotionsfeier der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät am 30. Januar 2013 ihren Doktortitel. Es wurden 46 Biologen, 20 Chemiker, 3 Informatiker, 2 Mathematiker, 2 Pharmazeuten, 10 Physiker und 5 Psychologen promoviert. Der Kreis der Promovierten ist international: Sie kommen aus Deutschland, Belgien, China, Großbritannien, Griechenland, Indien, Indonesien, Kamerun, Kirgistan, Kroatien, Marokko, Polen, Rumänien, Russland, der Tschechischen Republik, der Türkei und Vietnam.

Prodekan Prof. Dr. Martin Mauve beglückwünschte die frisch Promovierten. „Ihnen steht nun“, so Prof. Mauve, „mit der Promotion sowohl die akademische Karriere als auch der Weg in die Wirtschaft weit offen. Mit der Doktorarbeit haben die Promovenden bewiesen, dass sie systematisch und hartnäckig auf ein entferntes Ziel hinarbeiten können“. Eine entscheidende Qualifikation für das Berufsleben!

Bei der Promotionsfeier wurden traditionell auch wieder die schönsten und kreativsten Doktorhüte und Doktorwagen gekürt.

Dr. Raphael Wittkowski

Raphael Wittkowski, geboren 1988 in Düsseldorf, studierte Mathematik und Physik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Bachelor in Mathematik und in Physik 2009, Master in Physik 2010). In nur 18 Monaten promovierte er Anfang 2012 im Alter von 23 Jahren am Institut für Theoretische Physik II – Weiche Materie bei Prof. Dr. Hartmut Löwen mit der Arbeit „Brownian dynamics of active and passive anisotropic colloidal particles“. Er erhielt dafür die Bestnote ‚summa cum laude‘. Seitdem arbeitet er als Postdoc am Institut für Theoretische Physik II.

Wittkowski erforscht die theoretischen Grundlagen von Vielteilchensystemen, ein Anwendungsfeld sind Flüssigkristalle. Seine Forschungsergebnisse publizierte er in einer Reihe von Artikeln in teilweise sehr renommierten Fachzeitschriften wie Physical Review.

Dr.rer.nat. Arne Claussen
Abteilung Kommunikation

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Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Landeshauptstadt und eine feste Größe in der deutschen Hochschullandschaft.

An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren über 23.000 Studierende. Im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften. Zuletzt konnte im Rahmen der „Exzellenzinitiative“ von Bund und Ländern die Förderung eines Exzellenzclusters in der Pflanzenzüchtungsforschung gewonnen werden.

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Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Landeshauptstadt und eine feste Größe in der deutschen Hochschullandschaft.An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren rund 31.000 Studierende. Im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften. Zuletzt konnte im Rahmen der „Exzellenzinitiative“ von Bund und Ländern die Förderung eines Exzellenzclusters in der Pflanzenzüchtungsforschung gewonnen werden.Mehr zur HHU im Internet unter www.hhu.de.

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