Der Nussknacker als Gesamtkunstwerk

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Tänzer, Eltern und ein Lichtdesigner gestalten eine faszinierende Märchenwelt

(Dortmund, den 12. 12. 2012) Wochenende. Nur noch wenige Tage bis zur ersten Aufführung. Von Freitagmittag bis Sonntagabend ist Zeit, eine Lkw-Ladung Requisiten auf der Bühne des Theaters am Ostwall zu verteilen, unzählige Lampen kunstvoll auszurichten, Kostüme bereitzulegen, Abläufe durchzuspielen und nicht zuletzt sieben Stunden lang zu proben. Ein Wochenende im Zeichen des Balletts „Der Nussknacker“, ein Wochenende, an dem Eltern alles für den großen Auftritt ihrer Kinder geben, bei dem diese zusammen mit Profitänzern ihr Können zeigen. Vier Aufführungen sind es in diesem Jahr, zwei für die Dortmunder Grundschulen, zwei für den freien Verkauf am Samstag und Sonntag, 15.und 16. Dezember, jeweils 15 Uhr. Großes Ballett mit jungen Künstlern.

„So ein Wochenende ist für alle Beteiligten ein Erlebnis“, betont Berry Doddema von Modern Dance Center, dessen KinderTanzKompanie das Ballett auf die Bühne bringt. „Es gibt etliche Unwägbarkeiten, unheimlich viel Arbeit und ein ganz tolles Wir-Gefühl, wenn alle an einem Strang ziehen.

Das sind Abläufe, von denen das Publikum nichts mitbekommt, die für die Beteiligten jedoch ein unheimlich wichtiger Teil des gesamten Prozesses bis zur Aufführung sind.“

Bestes Beispiel: das Licht. Kein einziges Mal konnte das Stück bisher mit Lichteffekten wie in der Aufführung geprobt werden. Das Licht kommt erst mit Steffen Hoppe ins Spiel. Freitagmittag trifft der Beleuchtungsmeister der Deutschen Oper Berlin in Dortmund ein. 30 Stunden im Dienste der Dortmunder Nussknacker-Inszenierung liegen vor ihm. Der Nussknacker ist ihm kein Unbekannter, betreut er die entsprechende Inszenierung der Deutschen Oper Berlin doch schon seit über zehn Jahren – neben seiner Tätigkeit als Beleuchtungsmeister fürs Staatsballett Berlin. In Dortmund zeigt er seine Kunst bereits zum vierten Mal.

„Licht ist ein extrem wichtiger Faktor im Theater“, stellt Hoppe klar, „es gibt nicht nur Hell oder Dunkel. Das Auge geht mit. Es nimmt die Farben auf, und die drücken etwas aus.“ Blaues Licht schafft eine kühle, traurige Stimmung, gelbes und oranges Licht eine fröhliche, warme. Mit Licht werden Personen und Dinge auf der ansonsten dunklen Bühne sichtbar, ohne Licht verschwinden sie wieder. Licht und künstlich erzeugter Nebel schaffen eine so spannende Atmosphäre, dass den Zuschauern, vor allem den kleinen, gar nicht auffällt, dass dieses Arrangement dazu dient, die Verwandlung der Bühne durch hilfreiche Hände zu kaschieren.

Wie der Tanz erfordert das Licht Feingefühl. „Deswegen stimme ich mich sehr eng mit dem Bühnenbildner und dem Choreografen ab“, schildert Hoppe. Und Licht wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Als Hoppe loslegen will, beteuern die Hausmeister, dass sich seit der Aufführung vor einem Jahr nichts an der Beleuchtung geändert hat. Das deckt sich jedoch nicht mit den Feinheiten einer so komplexen Aufführung: Requisiten wie Claras Bett, die Standuhr oder das Kasperletheater stehen anders als im Vorjahr, Bewegungsabläufe habe sich ein wenig verändert und die normale Nutzung der Lichtanlage durch eine Schule hat Opfer gefordert: einige Scheinwerfer sind kaputt.

Da ist Fantasie gefragt, denn die Ersatzbeschaffung auf dem kommunalen Verwaltungsweg dauert vier bis sechs Wochen. Doch Hoppe weiß, wo es auch kurzfristig Licht gibt: im Theater Dortmund. Nach mehreren Anläufen, die richtigen Personen zu erreichen, kann er dank kollegialer Unterstützung die defekten Scheinwerfer in einer luftigen Höhe von rund zehn Metern über der Bühne ersetzen. Wesentlich virtuoser gestaltet sich das eigentliche Ausleuchten der einzelnen Nussknacker-Szenen: Farbfilter einsetzen, Farben abstimmen und immer und immer wieder die Lichtführung korrigieren. Steht eine Requisite anders als ursprünglich gedacht, muss ihr auch das Licht folgen.

Da Steffen Hoppe nur am Wochenende vor Ort ist, muss alles so vorbereitet sein, dass das von ihm gestaltete Lichtkonzept auch bei den Aufführungen reibungslos funktioniert. Grundlage für die Beleuchtung ist ein Computerprogramm, das Hoppe mit Daten bestückt. Zusätzlich weist er zwei Personen aus dem Nussknacker-Team ins Lichtkonzept ein, sodass diese das Licht bei den Vorstellungen bedienen können. Für den Lichtkünstler ist so ein Wochenende harte Arbeit. Trotz zweieinhalb Tagen vor Ort, hat er von Dortmund außer der Bühne des Theaters am Ostwall nicht wirklich viel gesehen.

Eine Lkw-Ladung machen die Requisiten und Kostüme für den Nussknacker aus. Das ist die Domäne der Eltern. Zusammen mit einigen Jugendlichen legen sie den Tanzteppich aus, bauen das Bühnenbild auf, verteilen Requisiten und legen die Kostüme für die Aufführungen bereit. Einige Eltern werden die KinderTanzKompanie auch bei der Aufführung unterstützen und müssen die Bühnenumbauten üben. Wann geht welcher Vorhang runter, wann wieder hoch? Das muss alles reibungslos funktionieren und gut aufeinander abgestimmt sein, sonst strahlen die Scheinwerfer ins Leere oder den Tänzerinnen fehlen die passenden Bühnenbilder.

„Ich finde es super, wie viele Eltern uns unterstützen“, freut sich Berry Doddema, „für Bühnen-Laien ist es gar nicht so einfach, sich die Abläufe einzuprägen und im richtigen Moment das Richtige zu tun.“ Die Kinder, die beim Ballett mittanzen, sind allemal stolz auf ihre Eltern. „Wenn sich die Eltern in eine solche Produktion auch mit einbringen, ist das für die Kinder eine wunderbare Bestätigung für ihre Mühen“, weiß Doddema, „dann macht der Bühnentanz gleich doppelt Spaß.“

Und das erleichtert natürlich auch die Proben. Alleine sieben Stunden sind es am Sonntag. Vor allem die kleineren Kinder, die siebenjährigen Schneeflocken zum Beispiel, haben es nicht ganz leicht, sich auf der Bühne zurechtzufinden und das im Studio Erlernte in einer anderen Umgebung reibungslos umzusetzen. „Gut, dass viele Eltern dabei waren, die uns bei der Positionierung der Kinder unterstützen konnten“, lobt Doddema. Zur Aufführung kommen weitere hinzu – zum Schminken der Tänzerinnen und Tänzer, zur Organisation der Abläufe, zur Betreuung der Kinder. Insgesamt sind pro Aufführung mehr als 20 Eltern hinter der Bühne aktiv.

Alles in allem war es ein anstrengendes Wochenende. Am Abend sind alle fertig. Zu fertig, um – wie geplant – noch irgendwo gemeinsam essen zu gehen. Die Energie reicht nur noch für Pizza. Die wird gebracht – und niemand schaut zu, wenn müde Lässigkeit für ein paar Stunden die Disziplin verdrängt.

Infos: www.moderndancecenter.de

Modern Dance Center
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Das Modern Dance Center ist ein großes Studio für Bühnentanz in Dortmund. Auf 1350 Quadratmetern bieten international ausgebildete Tanzpädagogen ein breit gefächertes Unterrichtsangebot: Klassisches Ballett, Modern Dance und Jazz Dance sind die Haupt-Tanzrichtungen, HipHop, Step Tanz und Flamenco runden das Angebot ab. Weitere Unterrichtsfächer sind Tanztheater, Pilates und Irish Dance. Ob Einzelstunde oder Kurs, Tanzkompanie, Workshop oder Lehrgang – das Modern Dance Center bildet alle Altersgruppen aus, vom Anfänger bis zum Profitänzer.

Das Modern Dance Center – bzw. die künstlerische Leitung – ist Mitglied in diesen Berufsverbänden: Deutscher Berufsverband für Tanzpädagogik (DBfT), Gesellschaft für zeitgenössischer Tanz (GZT), Dance and the Child  - Deutschland (daCi), Tanzmedizin Deutschland (TaMeD), Kulturrat NRW, German Tap.

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Licht ist ein extrem wichtiger Faktor im Theater. Es gibt nicht nur Hell oder Dunkel. Das Auge geht mit. Es nimmt die Farben auf, und die drücken etwas aus.
Steffen Hoppe, Lichtdesigner
Wenn sich die Eltern in eine solche Produktion auch mit einbringen, ist das für die Kinder eine wunderbare Bestätigung für ihre Mühen. Dann macht der Bühnentanz gleich doppelt Spaß.
Berry Doddema, Modern Dance Center