Freies Schulwesen wächst weiter / Berufliche Bildung in Deutschland bedroht

Wiesbaden, 15. November 2012 – Auf der heutigen Jahrespressekonferenz des Verbands Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) hat der VDP aktuelle Zahlen mehrerer statistischer Landesämter vorgestellt, die die weitere Zunahme von allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft belegen. Das berufliche Ausbildungsangebot ist hingegen in einigen Bundesländern von deutlichen Einschränkungen bedroht.

„Weiterhin wächst die Zahl der Schulen sowie die Zahl der Schüler an Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft kontinuierlich, obwohl die Gesamtschülerzahl in Deutschland rückläufig ist“, erklärt Michael Büchler, Präsident des VDP. Im letzten Jahr hat unter anderem die Schülerzahl an allgemeinbildenden freien Schulen in Hessen um 1,7 Prozent zugenommen, in Schleswig-Holstein um 2,2 Prozent und in Hamburg um 5,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm die Gesamtschülerzahl an allgemeinbildenden Schulen deutschlandweit um 1,3 Prozent ab. Die Anzahl der allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft nahm unter anderem in Bayern im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent zu, in Baden-Württemberg um 1,4 Prozent und in NRW um 1,9 Prozent. „Das kontinuierliche Wachstum ist ein Beleg für die qualitativ gute Bildungsarbeit, die an freien Schulen geleistet wird. Sie zeigt zudem auch den Bedarf eines vielfältigen Bildungsangebotes, in dem die Eltern und Schüler eine echte Schulauswahl haben, um ihre individuellen Bildungswünsche abdecken zu können“, erklärt Büchler weiter. Nach Ansicht des VDP muss die Politik in den Ländern dem Rechnung tragen und für alle Schulen, unabhängig von ihrer Trägerschaft, vergleichbare rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, damit alle die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben.

Für den beruflichen Bereich ist in einigen Ländern aktuell im Gespräch, die rechtlichen Bedingungen einseitig bei berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft zu verschlechtern. Sachsen hat als erstes Bundesland bereits damit begonnen, einzelne schulische Ausbildungsgänge zu streichen. „Wir haben es hier mit einem Angriff auf die berufliche Wahlfreiheit und die Vielfalt der beruflichen Bildung zu tun“, so Büchler weiter. Unter dem Vorwand einer Optimierung des Übergangssystems Schule-Beruf und einer Stärkung der dualen Ausbildung denkt die Wirtschaftsministerkonferenz offen beispielsweise darüber nach, das außerbetriebliche Ausbildungsangebot stark zu minimieren. Dies trifft besonders benachteiligte Jugendliche, die keine Chance im dualen System erhalten. Durch individuelle Förderung und sozialpsychologische Betreuung in außerbetrieblichen Ausbildungen bekommen benachteiligte und gehandicapte Jugendliche häufig überhaupt erst die Möglichkeit, einen staatlich anerkannten Berufsabschluss zu erlangen. Auch ist die Reduzierung von theorie- und lernintensiven vollzeitschulischen Ausbildungen wie Fremdsprachenkorrespondent oder medizinisch-technischer Assistent (MTA) in der Diskussion, obwohl für diese Berufe gar keine dualen Ausbildungsalternativen existieren. „Diesen fatale Weg muss die Politik schnell wieder korrigieren“ erklärt Büchler.

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