Staatliche Berufsschulen gefährden Qualität der Arbeitslosen-Weiterbildung

Berlin, 28. Juni 2011 –  Die Kultusministerkonferenz will zukünftig staatliche berufsbildende Schulen für die Durchführung von Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) öffnen. Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) warnt vor einem Qualitätsverlust bei Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose.

Die Kultusministerien der Länder planen, an staatlichen Berufsschulen nicht mehr nur Jugendliche, die sich in einer dualen Ausbildung befinden, zu unterrichten. Berufsschulen sollen zukünftig auch von der BA finanzierte Weiterbildungen für Arbeitslosen durchführen. „In Hinblick auf die Weiterbildungsqualität ist diese Entwicklung sehr kritisch zu betrachten“, erklärt Anja Eckert, Bundesgeschäftsführerin des VDP. Besonders problematisch sei die in der Regel fehlende Erfahrung von Lehrkräften staatlicher Berufsschulen auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung. Diese werde aber vom Sozialgesetzbuch III sowie der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) gefordert. „Auf dem Gebiet der Qualifizierung von Arbeitslosen haben sich freie Bildungseinrichtungen über Jahre Kompetenzen erworben, die weit über die Vermittlung von theoretischem Wissen hinausgehen. So verfügen viele Lehrkräfte zusätzlich über notwendige sozialpädagogische Kompetenzen. Zudem haben Bildungsträger regionale und überregionale Kenntnisse des Arbeitsmarktes, sodass sie Erwerbslose fachkundig bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützen“, erklärt Eckert. Dieses Know-how sei an Berufsschulen kaum entwickelt.

Darüber hinaus sieht der VDP die erforderliche quantitative Personalausstattung staatlicher Berufsschulen für die zusätzlichen Aufgaben vielfach als nicht ausreichend an. Schon jetzt leiden viele berufsbildende Schulen in staatlicher Trägerschaft an einer Lehrer-Unterversorgung. So lag beispielsweise in Niedersachsen die Unterrichtsversorgung an Berufsschulen des Landes im letzten Schuljahr bei durchschnittlich nur 93 Prozent. Dieser Wert wurde von einigen Schulstandorten noch deutlich unterschritten. „Wie bei diesem Personalmangel zusätzliche, hoch anspruchsvolle Aufgaben bewältigt werden sollen, bleibt ein Rätsel. Im Sinne einer zielführenden und nachhaltigen Qualifizierung Arbeitssuchender sollten Bund und Länder die Erwachsenenbildung weiterhin nur von auf diese Teilnehmergruppe spezialisierten Bildungseinrichtungen durchführen lassen“, so Eckert weiter. Andernfalls gehe dies zu Lasten der Arbeitslosen und auch der Berufsschüler, die mit weiteren Stundenausfällen rechnen müssten.

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Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. vertritt freie Bildungseinrichtungen im allgemein bildenden und berufsbildenden Schulbereich sowie in der Erwachsenenbildung und im tertiären Bereich (Fachhochschulen und Hochschulen). Der 1901 gegründete Verband bindet seine Mitglieder weder weltanschaulich noch konfessionell oder parteilich. Zusammen mit den beiden konfessionellen Privatschulverbänden, dem Bund der freien Waldorfschulen und der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime bildet der VDP die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen.

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