„Viele Betriebe machen sich Gedanken über die Zukunftsfähigkeit ihres Standortes“
Seit 14 Jahren ist die Vortragsveranstaltung Think Pink auf den Agrarunternehmertagen in Münster ein fester Treffpunkt für schweinehaltende Landwirtinnen und Landwirte. Moderator Michael Ermann von der AGRAVIS Nutztier GmbH freut sich über das ungebrochene Interesse an den Fachvorträgen. In diesem Jahr wurden die Kapazitäten nochmals erhöht: Rund 300 Interessierte finden am 4. Februar im Grünen Saal der Halle Münsterland Platz. Michael Ermann weiß, was die Branche umtreibt. Im Interview erläutert er, welche Themen Schweinehaltende bewegen.
Vor welchen Herausforderungen stehen schweinehaltende Betriebe momentan?
Michael Ermann: Ganz aktuell stehen Ferkelerzeugerinnen und -erzeuger sowie Schweinemästerinnen und -mäster vor Herausforderungen einer Niedrigpreisphase. Die Erzeugerpreise sind im Januar auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe leidet darunter. Außerdem stellt sich bei vielen die Frage, wie sie ihren Betrieb zukunftssicher aufstellen können, zum Beispiel durch Investitionen oder Umbaumaßnahmen. Viele Landwirtinnen und Landwirte wollen in moderne Ställe investieren, doch unklare Förderungen und ein Dschungel aus Vorschriften bremst sie aus.
Wie müssten die Rahmenbedingungen aussehen?
Michael Ermann: Viele wollen umbauen und investieren. Die letzten zwei, drei Wirtschaftsjahre waren gut. Doch der aktuelle Preisverfall auf dem Ferkel- und Schweinemarkt führt zu Unsicherheiten. Viele Betriebe machen sich Gedanken über die Zukunftsfähigkeit ihres Standortes. Sie wollen handeln, benötigen dann aber auch Rahmenbedingungen, die eine Investition zum Beispiel in eine höhere Haltungsform wirtschaftlich möglich machen. Es braucht Anreize statt Verbote, um Landwirtinnen und Landwirten verlässliche Investitionssicherheit zu geben. Hinzu kommt, dass das Marktumfeld aktuell von Inflation getrieben ist, was zu Kaufzurückhaltung bei Fleisch aus höheren Haltungsformen führt. Wenn der Verbraucher nicht bereit ist zu zahlen, motiviert das nicht zum Umstieg.
Wie unterstützt die Vortragsveranstaltung Think Pink Betriebsleitende?
Michael Ermann: Wir haben für die Veranstaltung unter anderem einen Marktexperten von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands eingeladen, der Perspektiven am Schweinemarkt aufzeigt. Es stehen aber auch junge Landwirtinnen und Landwirte auf dem Podium, zwei von ihnen berichten über den Neu- und Umbau im laufenden Betrieb und zeigen Lösungen auf, wie Umbaumaßnahmen umgesetzt werden können. Das ist es, was wir mit Think Pink erreichen wollen. Es geht jedoch nicht nur um Perspektiven in der Schweinehaltung, sondern auch um Risiken, die Betriebsleitende aktuell haben. Zwei Blöcke behandeln die Afrikanische Schweinepest und das Seuchenrisiko, ein Thema, das viele Betriebe nun schon über Jahre begleitet. Es geht um den aktuellen Stand, aber auch um Biosicherheit generell, also wie Schweinehaltende ihren Betrieb so umstellen, dass er in Sachen Seuchenschutz gut aufgestellt ist.
Also geht es um Know-how aus der Praxis für die Praxis?
Michael Ermann: Die Veranstaltung ist ganz klar dafür da, Input mitzunehmen. Deshalb sind es auch Kurzvorträge, die Impulse setzen. Es geht aber auch ums Netzwerken und den Austausch untereinander.
Über Think Pink
Die Vortragsveranstaltung Think Pink wird von der AGRAVIS, der Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung und dem Erzeugerring Westfalen organisiert. Traditionell findet sie vormittags im Rahmen der Agrarunternehmertage in Münster statt – ein bewährtes Format, das fachlichen Input und intensives Netzwerken verbindet.