Aus Sorge vor Verletzungen: Manche Pferde bleiben allein auf der Weide

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Viele Pferde in Deutschland genießen den täglichen Weidegang in der Gruppe – doch nicht alle. Einige Halter entscheiden sich bewusst gegen Sozialkontakt auf der Weide, meist aus Angst vor Verletzungen. Dabei zeigt die Forschung: Der Nutzen des gemeinsamen Weidegangs überwiegt bei Weitem die Risiken.

 

Bild: iStock

 

In Deutschland leben im Jahr 2025 schätzungsweise rund 1,3 Millionen Pferde. Viele davon werden in Einzelboxen gehalten – eine Haltungsform, die individuelle Betreuung und Fütterung ermöglicht, aber den natürlichen Sozialkontakt einschränkt. Um diesen auszugleichen, erhalten viele Pferde tagsüber Weidegang in der Gruppe.

Doch nicht alle Tiere profitieren von dieser Form des Ausgleichs. Laut einer aktuellen europaweiten Umfrage1, die in 2025 im Auftrag von Agria durch das Marktforschungsinstitut Xtreme durchgeführt wurde, gibt eine kleine, aber signifikante Gruppe von Pferdehaltern an, ihre Tiere bewusst allein auf die Weide zu stellen – meist aus Sorge vor Verletzungen durch Tritte, Bisse oder Rangkämpfe.

Eine Herausforderung für Tierwohl und Haltungspraxis

„Diese Sorge ist menschlich nachvollziehbar – aber aus tiermedizinischer Sicht oft unbegründet“, sagt Dr. med. vet. Tatjana Breiltgens, Tierärztin bei Agria Tierversicherung. „Das Risiko von schweren Verletzungen bei gut organisierter Gruppenhaltung ist sehr gering. Dafür profitieren die Pferde enorm von der Bewegung, dem Sozialkontakt und der psychischen Stabilität.“

Gruppenhaltung auf der Weide: Bewegung, Bindung, Balance

Manche Besitzer glauben zudem, dass Einzelhaltung ihre Pferde leistungsfähiger für das tägliche Training macht. Doch diese Annahme ist laut Dr. med. vet. Tatjana Breiltgens nicht belegt: „Pferde, die gemeinsam auf der Weide stehen, bewegen sich oft mehr und bauen so kontinuierlich Muskulatur und Ausdauer auf. Zudem profitieren sie mental von der Gesellschaft.“

Verletzungen sind seltener als angenommen und oft nur oberflächlich

Natürlich kann es in Gruppenhaltung zu Rangeleien kommen. Doch laut verschiedenen wissenschaftlichen Studien und veröffentlichten Artikeln2,3, “ist das Verletzungsrisiko in Gruppenhaltung generell überschätzt2 und die meisten Verletzungen in der Weidegemeinschaft oberflächlich und gut behandelbar.3 Schwerwiegende Zwischenfälle bleiben die Ausnahme.

„Das Risiko schwerer Verletzungen durch Artgenossen ist zwar geringer als oft angenommen, aber nicht gänzlich ausgeschlossen“, erklärt Dr. Breiltgens. „Gerade, wenn Pferde unter Stress stehen oder sich nicht verstehen, kann es zu Konflikten kommen.“

Um solche Situationen zu vermeiden, ist das richtige Management entscheidend. So rät sie zu einem vorsichtigen Zusammenführen: „Pferde sollten sich langsam aneinander gewöhnen dürfen – etwa durch gemeinsame Spaziergänge, nebeneinanderliegende Boxen oder angrenzende Weiden, bevor sie tatsächlich zusammengeführt werden.“

Auch Stallbetreiber und Halter können durch eine durchdachte Gruppenzusammenstellung und ausreichend Platz für Futter und Wasser zur Harmonie auf der Weide beitragen.

Auch Hengste oder herausfordernde Charaktere profitieren – mit etwas Geduld – vom Sozialkontakt. „Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa Tiere mit schlechten Erfahrungen oder mangelndem Sozialverhalten. Aber auch hier lassen sich oft Lösungen finden“, so Dr. Breiltgens.

Sozialkontakt ist kein Luxus, sondern ein Bedürfnis

Die Haltungspraxis in Deutschland hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Einzelboxen mit Gruppenauslauf oder Weidegang stellen heute einen Kompromiss zwischen individueller Betreuung und artgerechter Pferdehaltung dar. Doch Ausnahmen, in denen Pferde dauerhaft ohne Sozialkontakt bleiben – aus Angst oder Unwissenheit – gibt es weiterhin.

Diese Einzelfälle sind selten, aber jedes Tier, das darunter leidet, ist eines zu viel“, so Dr. med. vet. Tatjana Breiltgens. „Wer sein Pferd liebt, sollte nicht nur auf Ernährung und Training achten, sondern auch auf dessen psychische Bedürfnisse – und dazu gehört die Gemeinschaft mit Artgenossen.“

Literatur

1Agria Marktforschung über Xtreme, 2025.

2 Keeling et al. (2016) Injury incidence, reactivity and ease of handling of horses kept in groups: A matched case control study in four Nordic countries (Elsevier, Applied Animal Behaviour Science),

3 Baumgartner et al. (2024) Bewertung der Tiergerechtheit und Umweltwirkungen von Pferdehaltungen (Peer-reviewed Article, Praktischer Tierarzt, 4-2024)

 

Über Agria Djurförsäkring

Agria wurde 1890 von Tierbesitzern in Schweden gegründet und ist heute mit einem Marktanteil von 60 % in Schweden der führende Anbieter von Tierversicherungen. Agria ist in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Irland tätig. Neben der Tierversicherung bietet Agria eine kostenlose digitale tierärztliche Beratung über die Agria App an. Agria beschäftigt 650 Mitarbeiter und erzielte 2024 Prämieneinnahmen in Höhe von 600 Millionen Euro.

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