Nobelpreisträger und Astronaut an der HHU

Lehrerfortbildung „Schule MIT Wissenschaft“ in Düsseldorf

12.11.2018 – Am 10. November hielten der Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan W. Hell und der Astronaut Dr. Gerhard Thiele Vorträge an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Diese fanden im Rahmen der mehrtägigen bundesweiten Lehrerfortbildung „Schule MIT Wissenschaft“ des MIT Club of Germany e.V. statt, die in diesem Jahr in Düsseldorf veranstaltet wurde.

Prof. Hell wurde im Jahr 2014 mit dem Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung superauflösender Fluoreszenzmikroskope ausgezeichnet. In seinem Vortrag an der HHU „Grenzenlos scharf: Lichtmikroskopie im 21. Jahrhundert“ stellte Prof. Hell die sogenannte STED-Mikroskopie (Stimulated Emission Depletion) vor: Mit dieser Technik konnte er in den 1990er Jahren die durch die natürliche Lichtbeugung begrenzte Auflösung der Lichtmikroskopie deutlich verbessern, so dass heute Auflösungen im Nanometerbereich (1 Nanometer = 1 Milliardstel Meter) erreicht werden. Prof. Hell präsentierte darüber hinaus Anwendungsbeispiele aus den Bereichen Lebens- und Materialwissenschaften. Neben den wissenschaftlichen Aspekte sprach er auch über den teilweise beschwerlichen Weg, den er als junger Wissenschaftler gehen musste, um für seine Ideen Unterstützung zu finden und das STED-Mikroskop tatsächlich zu realisieren. Dahinter stand sein als frisch Promovierter geäußerter Gedanke „Wie cool wäre es, die optische Beugungsgrenze zu überwinden“, der ihn stets begleitete.

Dr. Thiele nahm im Jahr 2000 als deutscher Astronaut an der Space Shuttle-Mission STS-99 „Shuttle Radar Topographie Mission“ teil, die der dreidimensionalen Kartierung der Erde mit bisher nicht gekannter Auflösung diente. In seinem Vortrag „Raumfahrt: Gestern – Heute – Morgen“ zeigte er, welche Fortschritte in der Raumfahrt in den vergangenen fünfeinhalb Jahrzehnten erreicht wurden und wie der Blick auf die Erde unser Weltbild verändert. „Wir erleben gerade eine ganz besondere Zeit in der Raumfahrt“, so Thiele. Denn private Raumfahrtunternehmen werden in Zukunft eine wesentliche Rolle auf dem Weg in den Weltraum spielen und die Transportkosten erheblich senken. Aktuell, mehr als vier Jahrzehnte nach der letzten bemannten Mondlandung im Jahr 1972, rücken wieder der Mond und auch der Mars in den Mittelpunkt der astronautischen Raumfahrt. „Es muss gelingen, in Möglichkeiten zu denken“, ist für Gerhard Thiele eine der Herausforderungen für die Zukunft.

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck begrüßte am 10. November die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der in diesem Jahr an der HHU in Düsseldorf stattfindenden bundesweiten Lehrerfortbildung „Schule MIT Wissenschaft“: „Die Heinrich-Heine-Universität unterstützt als Bürgeruniversität den Transfer von der Wissenschaft in die Gesellschaft. Von dieser Weitergabe sollen selbstverständlich auch und gerade Lehrerinnen und Lehrer profitieren. Ich freue mich deshalb sehr, dass die HHU heute für so faszinierende Referenten und Themen im Rahmen der Lehrerfortbildung die Gastgeberin sein darf.“

In diesem Rahmen sprechen jährlich hochkarätige Wissenschaftler, darunter jeweils ein Nobelpreisträger sowie Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Prof. Dr. Axel Görlitz, Studiendekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und von Seiten der HHU für die Veranstaltung zuständig, betont die Bedeutung der Veranstaltung: „Es ist für die naturwissenschaftliche Ausbildung von Schülerinnen und Schülern wichtig, am Stand der Forschung zu bleiben. Wenn den Lernenden gezeigt werden kann, an welch spannenden Fragen die Forscher heute arbeiten und welche zentralen gesellschaftlichen Aufgaben sie angehen, kann der Funke überspringen. Von daher unterstützt die HHU die Initiative des MIT Club of Germany nachdrücklich.“

Zu den Personen

Stefan W. Hell (geb. 1962 in Sântana im Kreis Arad / Rumänien) studierte Physik in Heidelberg. Nach seiner Promotion im Jahr 1990 arbeitete er zunächst am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg. Es folgten Forschungsaufenthalte in Turku/Finnland und in Oxford. Nach seiner Habilitation 1996 ging er ans Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, dessen Direktor er seit 2002 ist. Im Jahr 2014 erhielt er den Nobelpreis für Chemie zusammen mit Eric Betzig und William Moerner.

Gerhard Thiele studierte Physik in München und Heidelberg, wo er 1985 promovierte. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität Princeton wurde er 1987 in das deutsche Astronautencorps am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt berufen. 1996 begann er bei der NASA die Ausbildung zum Missionsspezialisten und wurde 1998 in das europäische Astronautencorps übernommen. Nach der Teilnahme an der Space Shuttle-Mission STS-99 im Jahr 2000 wurde er 2003 in Baikonur zum Soyuz-Bordingenieur ausgebildet. Seit 2005 leitet Thiele die Astronautenabteilung der ESA und wurde 2009 Verantwortlicher für die Durchführung der letzten ESA-Astronautenauswahl. 2013 übernahm er das Büro für Strategische Planung und Outreach im Direktorat für Bemannte Raumfahrt und Betrieb bei der ESA. Seit 2016 hat Thiele einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen.

Schule MIT Wissenschaft

Die Veranstaltung „Schule MIT Wissenschaft“ wird vom MIT Club of Germany e. V. jedes Jahr in einem anderen Bundesland in Kooperation mit einem Partner organisiert. Der Club ist die Vereinigung der in Deutschland lebenden Absolventen des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA.

Unter dem Motto „Begeisterer begeistern“ wird Lehrkräften der Naturwissenschaften und Technik aus dem ganzen Bundesgebiet eine hochkarätig besetzte, fachliche Fortbildung geboten. Ausgewiesene Referentinnen und Referenten geben neueste Einblicke in ihre Forschungsbereiche. Dabei stehen interdisziplinäre Ansätze im Vordergrund. Als Keynote Speaker werden Nobelpreisträger eingeladen, darüber hinaus sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Massachusetts Institute of Technology ein fester Programmbestandteil.

Im Jahr 2018 fand die Veranstaltung vom 9. bis 11. November 2018 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt.

Dr.rer.nat. Arne Claussen
Stabsstelle Presse und Kommunikation

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf
Tel.:   49 211 81-10896
Fax:   49 211 81-15279
arne.claussen@hhu.de
www.hhu.de

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Die HHU begreift sich als Bürgeruniversität, die ihr Wissen kontinuierlich mit der Gesellschaft im Großraum Düsseldorf teilt. Ihre Verankerung in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist ebenso profilgebend wie ihre Ausrichtung als interdisziplinär wirkende deutsche Volluniversität.

An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren rund 35.000 Studierende. Im Fokus der Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften, ergänzt unter anderem durch Schwerpunkte wie Wettbewerbsforschung, Internet und Demokratie, Algebra und Geometrie sowie Sprache – Wissen – Kognition. 2018 wurde der seit 2012 bestehende HHU-Exzellenzcluster CEPLAS, das die künftige Welternährung durch Nutzpflanzen erforscht, im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern bestätigt.

Mehr zur HHU im Internet unter www.hhu.de.

Tags:

Über uns

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist seit 1965 die Universität der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Die HHU begreift sich als Bürgeruniversität, die ihr Wissen kontinuierlich mit der Gesellschaft im Großraum Düsseldorf teilt. Ihre Verankerung in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist ebenso profilgebend wie ihre Ausrichtung als interdisziplinär agierende deutsche Volluniversität. An ihrer Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät studieren rund 35.000 Studierende. Im Fokus der Forschung stehen traditionell die Lebenswissenschaften, ergänzt unter anderem durch Schwerpunkte wie Wettbewerbsforschung, Internet und Demokratie, Algebra und Geometrie sowie Sprache – Wissen – Kognition. 2018 wurde der seit 2012 bestehende HHU-Exzellenzcluster CEPLAS, der die künftige Welternährung durch Nutzpflanzen erforscht, im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern bestätigt. Mehr zur HHU im Internet unter www.hhu.de.

Abonnieren

Medien

Medien