ISC3 gibt die Finalist*innen der Innovation Challenge 2026 zum Thema „Nachhaltige Chemie und Elektronik“ bekannt
Acht internationale Start-ups ziehen mit bahnbrechenden Lösungen für eine nachhaltigere Elektronik ins Finale ein und konkurrieren um insgesamt 25.000 Euro Preisgeld – Hier kommen die Changemaker!
Was wäre, wenn das Gerät in Ihrer Tasche nicht auf Kosten unseres Planeten hergestellt würde? Was wäre, wenn der am schnellsten wachsende Abfallstrom der Welt zur saubersten Rohstoffquelle werden könnte? Was wäre, wenn gefährliche Chemikalien in der Elektronikindustrie durch geprüfte, sicherere Prozesse ersetzt werden könnten? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen ISC3 Innovation Challenge zum Thema „Nachhaltige Chemie und Elektronik“. Das International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) ist stolz darauf, die acht Finalist*innen seiner siebten Innovation Challenge bekannt zu geben. Ausgewählt aus einem Bewerber*innenfeld von über 50 Einreichungen aus mehr als 25 Ländern, haben sich die acht Finalist*innen mit innovativen Lösungen für eine der drängendsten Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit einen Platz im Finale verdient: die Elektronikindustrie.
Warum Elektronik, warum gerade jetzt?
Elektronik ist allgegenwärtig – ebenso wie ihre Folgen. Von giftigen Substanzen in Bauteilen über Berge von Elektroschrott bis hin zum enormen Energieverbrauch bei der Halbleiterfertigung: Der ökologische Fußabdruck dieser Branche wurde lange Zeit als unvermeidlicher Kompromiss betrachtet. Das ISC3 stellt diese Annahme nun in Frage.
Im Rahmen des diesjährigen Aufrufs wurden Start-ups dazu aufgefordert, die Chemie hinter unseren Geräten neu zu überdenken – die Antworten waren so vielfältig wie das Problem selbst. Die ausgewählten Innovationen reichen von lösungsmittelfreiem Magnetrecycling und neuartigen Batterieelektrolyten bis hin zu KI-gestützten Plattformen zur Rückverfolgbarkeit von Elektronik und biobasierten Klebstoffen für eine umweltfreundlichere Montage. Weitere Finalist*innen setzen auf lokal verankerte E-Schrott-Lösungen, die den informellen Sektor in die Kreislaufwirtschaft einbinden, sowie auf modulare, ökodesignte elektronische Ohrtags zur Tiergesundheitsüberwachung. Gemeinsam zeigen sie die Vielfalt nachhaltiger Elektronikinnovation und spiegeln eine neue Generation von Gründer*innen wider, die Nachhaltigkeit als zentrales Gestaltungsprinzip betrachten – und nicht als nachträglichen Gedanken.
Von Expert*innen ausgewählt, auf Wirkung ausgelegt
Die Auswahl von acht Finalist*innen aus einem so starken Bewerber*innenfeld war keine leichte Aufgabe. Eine Jury aus 15 unabhängigen Expert*innen – aus den Bereichen Nachhaltige Chemie, Elektronik, Industrie, Innovation und Wissenschaft – brachte bei der Bewertung eine strenge, vielschichtige Perspektive ein. „Die Qualität und Vielfalt der diesjährigen Bewerbungen senden ein wichtiges Signal: Die Gründer*innen beweisen, dass Nachhaltige Chemie und Innovationen in der Elektronik Hand in Hand gehen – und genau das ist die Art von Arbeit, die das ISC3 fördern und voranbringen will,“ sagt Dr. Alexis Bazzanella, Direktor des ISC3 Innovation Hub. Das ISC3 bedankt sich herzlich bei allen Jurymitgliedern für ihre in den Prozess eingebrachte Zeit und das Fachwissen.
Die acht Finalist*innen
Nach einem zweistufigen Auswahlsverfahren haben sich die folgenden acht Start-ups einen Platz in der Finalrunde der ISC3 Innovation Challenge 2026 gesichert (in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt):
Afya Ya Mnyama Digital (Tansania) hat ein ökodesigntes, modulares Smart-Ohrtag-Sensorsystem entwickelt, das die Gesundheit von Nutztieren in Echtzeit überwacht − mit dem Fokus, den ökologischen Fußabdruck über den gesamten Gerätelebenszyklus zu reduzieren.
AppCyclers (Ghana) betreibt ein sicheres, gemeinschaftsorientiertes digitales E-Schrott-Recyclingsystem − von der Sammlung über sicheres Recycling und Schulungen bis hin zum Handel mit hochwertigen Recyclingprodukten.
B-CIRC Botswana Circular Energy Storage Platform (Botswana) entwickelt eine Vier-Geräte-Plattform für Energiespeicherung und solare Kraftstoffe, mit dem Ziel, alle aktiven Elektroden- und Elektrolytmaterialien aus botswanischen Abfallströmen oder Evaporitlagerstätten zu beziehen.
Ecolyte (Aserbaidschan) ersetzt brennbare Elektrolyte in Lithium-Ionen-Batterien durch ein Gel auf Basis ionischer Flüssigkeiten, die das Potenzial haben, Effizienz, Lebensdauer und Sicherheit von Batterien zu verbessern.
ON nano International (Deutschland) bietet den weltweit ersten Spin-Coater mit der größten Beschichtungsfläche für glasbasierte Leiterplatten an. Dieser ermöglicht eine äußerst gleichmäßige Resistbeschichtung auf ultradünnen Materialschichten für fortgeschrittene Aufbau- und Verbindungstechnik in der Chip-Fertigung und reduziert dabei den Einsatz von Chemikalien und Materialien deutlich.
ReBond Technologies (Tansania) führt einen kostengünstigen, biobasierten reversiblen Klebstoff für die elektronische Montage und Demontage ein − zur Verbesserung der Materialrückgewinnung und zur Förderung der Kreislaufelektronik.
TSR Innovations (Deutschland) entwickelt einen kosteneffizienten, geschlossenen mechanochemischen Recyclingprozess für Seltenerdmagnete am Ende ihrer Lebensdauer.
WeavInsight (Singapur) entwickelt eine KI-gestützte Remote-Sensing- und IoT-Plattform, die einen „Chemical Digital Twin" für Elektronikprodukte erstellt, um Materialverluste und toxische Leckagen frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren.
Wie geht es weiter?
Alle acht Finalist*innen erhalten maßgeschneiderte Unterstützung durch den ISC3 Global Start-up Service, darunter Online-Pitch-Training, Workshops, Unterstützung durch Mentor*innen und Expert*innen sowie eine erhöhte Sichtbarkeit über die Kommunikationskanäle von ISC3 – darunter die Reihe „Start-up des Monats“, die einem internationalen Publikum Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich der nachhaltigen Chemie vorstellt.
Im Anschluss an das Pitch-Training werden die Finalist*innen ihre Innovationen auf der electronica 2026 präsentieren. Die Weltleitmesse für elektronische Komponenten und Systeme findet vom 10. bis 13. November 2026 in München statt. Dort treten sie am 13. November um den Hauptpreis in Höhe von 15.000 € an. Zwei weitere Start-ups erhalten jeweils 5.000 € für herausragende Wirkung. Den krönenden Abschluss bildet die offizielle ISC3 Innovation Challenge Preisverleihung.
Der Wettbewerb unterstreicht das Engagement von ISC3, marktreife Innovationen in der Nachhaltigen Chemie zu fördern, die zu einem kreislauforientierten und widerstandsfähigeren Elektroniksektor beitragen.
Christian Ruth-Strauß
Director Communications ISC3
christian.ruth-strauss@isc3.org
René Sutthoff
Konsequent PR
sutthoff@konsequent-pr.de
Über das Internationale Kompetenzzentrum für Nachhaltige Chemie (International Sustainable Chemistry Collaborative Centre, ISC3)
Das Internationale Kompetenzzentrum für Nachhaltige Chemie (ISC3) fördert die globale Transformation zur Nachhaltigen Chemie entlang chemischer Wertschöpfungsketten mit sektorübergreifender Wirkung. Die chemische Industrie ist weltweit mit nahezu allen Wirtschaftsbereichen vernetzt und prägt das Leben aller Menschen.
Das ISC3 treibt eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie voran, die nachhaltige Technologien, Prozesse und Produkte entlang von Lieferketten verankert. Produkte werden über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg - von der Konzeption über Herstellung und Nutzung bis zur Weiterverarbeitung – betrachtet. Sie berücksichtigt ökologische, ökonomische und soziale Faktoren, die Schließung von Stoffkreisläufen in einer Kreislaufwirtschaft und neue, effizienz- und nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodelle.
Zugleich fördert das ISC3 ein Umdenken aller Akteure zur Berücksichtigung von Suffizienz-Strategien, indem es dazu beiträgt, den absoluten Verbrauch von Stoffen, Materialien und Energie zu reduzieren und Lösungen kritisch an ihrem tatsächlichen Bedarf auszurichten.
Das Zentrum verfolgt einen Multi-Stakeholder-Ansatz und setzt auf die Zusammenarbeit von politischen Entscheidungsträgern, öffentlichen und privaten Akteuren, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft weltweit. Es stärkt Fachwissen und Nachhaltigkeitskompetenzen, bringt sich in die internationale Chemikalienpolitik ein, berät Organisationen, fördert Innovationen und Unternehmertum, entwickelt Ausbildungs- und Studienprogramme sowie Trainings. Darüber hinaus initiiert es strategische Allianzen, um die Transformation hin zu einer Nachhaltigen Chemie voranzutreiben.
Das ISC3 wurde 2017 auf Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sowie des Umweltbundesamtes (UBA) gegründet. Das Zentrum wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) getragen und von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA e. V.) als ISC3 Innovation Hub unterstützt. www.isc3.org