Mittelständische Unternehmen im Norden haben weiterhin Nachholbedarf bei Digitalisierung
Regionales Zukunftszentrum Nord zieht Fazit aus knapp 2.000 Beratungen von KMU zur digitalen Transformation
Mittlere und kleine Unternehmen in Norddeutschland führen weiterhin eher zurückhaltend neue Tools zur Digitalisierung ihrer Prozesse ein. „Wir erleben in fast allen unseren Projekten teils große Verunsicherung auf Seiten der Unternehmen. Viele KMU stellen sich vor allem in Bezug auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz noch grundsätzliche Fragen zu Datenschutz oder Rechtssicherheit und schieben daher wichtige Modernisierungsschritte hin zu mehr Effizienz auf“, berichtet Martin Kater, Gesamtprojektleiter des Regionalen Zukunftszentrums Nord. Der einzigartige Verbund von Bildungswerken der Arbeitgeber, gewerkschaftlichen Bildungsvereinigungen und KI-Expertinnen und KI-Experten aus Wirtschaft und Forschung in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein berät kleine und mittlere Unternehmen und ihre Beschäftigten kostenfrei dabei, den digitalen Wandel zu gestalten und die Chancen Künstlicher Intelligenz zu nutzen.
Ebenfalls eine Erfahrung aus der inzwischen knapp fünfjährigen Beratungspraxis des Regionalen Zukunftszentrums Nord: Qualifiziertes Personal zur Projektsteuerung sowie entsprechendes Know-how fehlen häufig. Dabei steckt in cleverem Einsatz von KI und intelligenter Software das Potenzial, den Fachkräftemangel zumindest teilweise zu kompensieren. Der vorübergehende zusätzliche Aufwand für Analyse, Auswahl und Implementierung lohnt sich. Ziel der Beratung ist, individuelle, pragmatische Lösungen mit niedriger Nutzungsschwelle zu integrieren. „Deswegen starten wir unsere Reise immer aus Anwendersicht, lassen uns standardisierbare Arbeitsprozesse zeigen, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Dann schulen wir die Mitarbeitenden in der Bedienung, damit sie entlastet werden und so Kapazitäten für andere Tätigkeiten haben“, so Kater.
Knapp 2.000 kleine und mittlere Unternehmen hat das Regionale Zukunftszentrum Nord bereits beraten, mehr als 25 verschiedene Weiterbildungsformate wurden dabei in verschiedensten Branchen realisiert – von KI zur Unterstützung beim Onboarding im Personalwesen über intelligente Tools zur Patientenüberwachung, digitale Dienstplanung in der Pflege, die digitale Hotelrezeption bis hin zu komplexer Buchungssoftware für Reisen. Die Erstberatung sowie die erste Phase der Beratungsgespräche bleiben für die Unternehmen kostenfrei.
Erfolge kann das Regionale Zukunftszentrum Nord in unterschiedlichsten Branchen vorweisen. Die MF Gabelstapler Service GmbH mit Sitz in Henstedt-Ulzburg stand beispielsweise vor der Herausforderung, manuelle und ineffiziente Prozesse in Bereichen wie Lagerverwaltung, Vermietung und Fahrzeugbewertung zu optimieren. Denn die Arbeitsschritte innerhalb der Prozesskette wurden von den Mitarbeitenden sehr uneinheitlich ausgeführt. Dies führte zu ungenauen Aussagen gegenüber dem Kunden, wann sein Auftrag erfüllt sein würde, was wiederholte Rückfragen und zusätzlichen Aufwand in der Kundenkommunikation bedeutete. Ziel war es, durch digitale Lösungen die Prozesse einheitlich und effizient zu gestalten, um so die Kundenzufriedenheit zu steigern. Ralf Ems, Berater im Regionalen Zukunftszentrum Nord, schätzt an seiner Arbeit die Vielfalt der Herausforderungen, für die immer wieder neue Wege gefunden werden: „Durch gezielte Workshops und enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden wurden digitale Lösungen entwickelt, die die Kommunikation verbesserten und Arbeitsabläufe standardisierten.“ Digitalisierung führt zu deutlich verkürzten Bearbeitungszeiten, einer verbesserten Zeiterfassung und effizienteren Lagerprozessen. Die Nutzung bestehender Softwaresysteme wurde optimiert, um eine verbesserte Datenanalyse und -bearbeitung zu ermöglichen. Und am wichtigsten: „Dank der kompetenten Unterstützung konnten wir unsere Prozesse effizient digitalisieren und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit steigern – ein echter Gewinn für unser Unternehmen“, fasst Dr. Alexander Frass von MF Gabelstapler Service die Zusammenarbeit zusammen.
Teil der Beratung ist in der Regel auch ein Fortbildungskonzept für die Anwenderinnen und Anwender, denn ein digitaler Helfer ist nur dann hilfreich, wenn er von den Mitarbeitenden im Arbeitsalltag aktiv genutzt wird. Denn auch das zeigt die Erfahrung: „Oftmals werden zwar teure Tools angeschafft, aber die Mitarbeitenden nicht so weit geschult, dass sie sich im Umgang sicher fühlen. Und dann werden die Arbeitsschritte weiterhin auf gute alte Art erledigt, während die Kosten für ungenutzte Technologien weiterlaufen“, weiß Kater.
Die Erfahrungen des Regionalen Zukunftszentrums Nord werden von offiziellen Studien bestätigt. Auf die Frage, wo sie ihr Unternehmen generell beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sehen, schätzen sich in einer Studie von Statista Research 64 Prozent der Unternehmen als Nachzügler ein, 22 Prozent sagen sogar, sie hätten den Anschluss verpasst. Lediglich zehn Prozent zählen sich zu den Vorreitern. Die Konjunkturumfrage des ifo-Instituts hatte bereits im vergangenen Sommer bestätigt, dass zwar schon mehr als die Hälfte der Großunternehmen KI nutzen, die kleinen und mittleren jedoch zurückhaltend sind, auch wenn Interesse vorhanden ist. Laut einer Bitkom-Umfrage ist dafür vor allem die Verunsicherung bezüglich der rechtlichen Hürden und Regelungen zum Datenschutz verantwortlich (53 Prozent).
Das Regionale Zukunftszentrum Nord (RZ.Nord) wird im Rahmen des Programms „Zukunftszentren“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist Europas wichtigstes Instrument zur Förderung von Beschäftigung und sozialer Integration in Europa. Deutschland erhält in der ESF-Förderperiode 2021-2027 rund 6,56 Milliarden Euro. Davon fließen rund 2,22 Milliarden Euro in das ESF Plus- Bundesprogramm und rund 4,34 Milliarden Euro in die ESF-Aktivitäten der Bundesländer. Weitere Informationen zum ESF finden Sie unter: www.esf.de.
Kontakt für die Medien:
René Sutthoff
Konsequent PR
sutthoff@konsequent-pr.de
Über das RZ Nord
Das Regionale Zukunftszentrum Nord (RZ.Nord) ist ein gemeinsames Projekt der Bildungswerke der Arbeitgeber, gewerkschaftlicher Bildungsvereinigungen und von KI-Expertinnen und KI-Experten aus Wirtschaft und Forschung in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Der einzigartige, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und über den Europäischen Sozialfonds Plus geförderte Verbund unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und ihre Beschäftigte dabei, digitalen Wandel zu gestalten und Chancen Künstlicher Intelligenz zu nutzen. Es geht nicht um digitale Transformation der Digitalisierung willen, sondern darum, KMU abzuholen und gemeinsam praxisnahe Lösungen zu entwickeln, um neue Technologien für ihre Arbeits- und Produktionsprozesse zu nutzen. Gemeinsames Ziel ist es, Sparringspartner für digitale Transformation und kompetenter Ansprechpartner für alle Beratungs- und Unterstützungsangebote zum Einsatz menschenzentrierter KI zu sein, die digitale Transformation mit den Unternehmen zu meistern und Strukturen in den Regionen nachhaltig zu etablieren. Dafür arbeiten 12 Konsortialpartner Hand in Hand: Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft, Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet, Bildungswerk der Wirtschaft für Hamburg und Schleswig-Holstein, Akademie für Technik GmbH/Technische Akademie Nord, Arbeit und Leben Niedersachsen, Bildungsvereinigung Arbeit und Leben (DGB/VHS) Bremen, Arbeit und Leben DGB/VHS Hamburg, OFFIS – Institut für Informatik, Transferzentrum für Künstliche Intelligenz BREMEN.AI/Digital Hub Industry Bremen, Artificial Intelligence Center Hamburg (ARIC), Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH und Demografieagentur für die Wirtschaft. www.zukunftszentrumnord.de