„Irrtümer und Folgen durch mögliche Nebenwirkungen von Psychotherapien“ – Vortragsveranstaltung des MEDICLIN Klinikums Soltau

Prof. Dr. Michael Linden, Charité, referierte im MEDICLIN Klinikum Soltau zu (unerwünschten) Wirkungen von Psychotherapien

Die kostenlose Vortragsveranstaltung im Klinikum Soltau war für Experten und am Thema Interessierte offen

Soltau, 9. Dezember 2019. Etwa 70 Gäste hörten und befragten Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Michael Linden am 4. Dezember 2019 in einer Vortragsveranstaltung des Klinikums Soltau. Prof. Dr. Linden ist Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik der Charité Universitätsmedizin Berlin und Ärztlicher Leiter des Institutes für Verhaltenstherapie Berlin.
„Wir haben in unserer Behandlung die möglichen Nebenwirkungen im Blick“, erklärte Dr. Matthias Köhne, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der MEDICLIN Klinik Soltau, der Experten und Laien zum Vortrag eingeladen hatte. „Gleichwohl finden wir es wichtig, dass dieses Thema in der öffentlichen Diskussion mehr Aufmerksamkeit erfährt. Wir möchten für mehr Transparenz sorgen, damit weiterhin bestehende Vorurteile bei Betroffenen und Angehörigen abgebaut werden können.“

Linden zeigte seine These auf, dass jede wirksame Therapie auch Nebenwirkungen beinhalten könnte. Grundlegend gehe es darum, psychotherapeutisch arbeitende wie auch von psychischen Erkrankungen betroffene Menschen für das Thema zu sensibilisieren, ohne von psychotherapeutischen Behandlungen abschrecken zu wollen. Während bei einer medikamentösen Therapie oder Operation Nebenwirkungen mit berücksichtigt werden, beginnend bei verunsichernden Aufklärungsbögen zu möglichen Komplikationen, sei dies in psychotherapeutischen Behandlungen noch nicht ausreichend etabliert.

Insgesamt sei es sehr wichtig, dass ein Psychotherapeut stets darauf achte, die schonendste Therapie anzuwenden, so Linden. Wenn beispielsweise eine Angstbehandlung ohne massive therapeutische Konfrontation eines Patienten mit angstbesetzten Situationen gelänge, sei dies selbstverständlich vorzuziehen.

Ferner ging Linden darauf ein, welche Wirkung eine Psychotherapie auf das private oder berufliche Umfeld eines Patienten haben könnte und ob mögliche Konsequenzen es wert seien, diese einzugehen. Letztlich müsse der Patient selbst entscheiden, ob er riskieren wolle, dass die Konfliktlösung am Arbeitsplatz möglicherweise zum Verlust desselben führe. Oder ob das Risiko einer partnerschaftlichen Trennung alleine aus finanzieller Sicht in Kauf genommen werden solle oder nicht doch ein partnerschaftsverbindender Weg in der Psychotherapie gesucht werden solle.

Falsche Erinnerung

Als ein weiteres Thema zeigte der Referent die falsche Erinnerung (false memory) als Phänomen auf. An dieser Stelle hätten die Psychotherapeuten eine hohe Verantwortung. Er sei davon überzeugt, dass er durch entsprechende Fragen und Nachfragen innerhalb von drei Therapiesitzungen jedem Patienten suggerieren könne, dass z. B. die Beziehung zum Vater eine ungünstige oder vielleicht sogar eine traumatisierende gewesen sei, so Linden.

Selbst die Psychoindikation, also die notwendige Vermittlung von Informationen über Krankheitsbilder, müsse sehr individuell geschehen, damit Patienten durch eine zu verallgemeinernde Darstellung nicht den Eindruck hätten, dass weitere Krankheitsaspekte auf sie zutreffen müssten. An dieser Stelle äußerte Linden die Sorge, dass manche Darstellungen in der Literatur für Patienten irreführend oder sogar beschwerdeinduzierend sein könnten.

 

 

Pressekontakt:
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Referentin Presse/ ÖA, Marketing
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Über das MEDICLIN Klinikum Soltau
Das MEDICLIN Klinikum Soltau ist ein Kompetenzzentrum für die Fachgebiete Orthopädie, Neurologie, Geriatrie, spezielle Schmerztherapie sowie Psychosomatik. An die Abteilung für neurologische Frührehabilitation ist eine Weaning-Station angegliedert, die die schrittweise Entwöhnung eines Patienten von der maschinellen Beatmung ermöglicht. Hierbei arbeiten Spezialisten verschiedener Fachdisziplinen eng abgestimmt zusammen. Das Klinikum verfügt über 372 Betten und beschäftigt rund 430 Mitarbeiter. Zum MEDICLIN-Standort Soltau gehört neben dem Klinikum auch das MEDICLIN MVZ Soltau.

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