Krankhafte Erschöpfung erstmals objektiv messbar machen
Übergreifendes Forschungsprojekt „Activity Regained“ erhält Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen
Gemeinsame Pressemitteilung der MEDICLIN Rehabilitationsforschung gGmbH, der Universität Duisburg-Essen sowie den beiden Unternehmen Velamed GmbH und STAC Elektronische Systeme GmbH

Bildunterschrift: Treffen zum Projektauftakt: Die Projektpartner von „Activity Regained“ trafen sich in der MEDICLIN Fachklinik Rhein / Ruhr
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Essen / Köln / Tönisvorst, 18. Februar 2026. Viele Menschen leiden unter starker, krankhafter chronischer Erschöpfung, die auch nach geringer körperlicher, emotionaler oder geistiger Belastung auftritt und sich selbst durch Ruhe nur sehr langsam bessert. Dieser als Fatigue bezeichnete Zustand kommt unter anderem bei Post-COVID, nach schweren Infektionen oder bei neurologischen Erkrankungen vor. Für die Betroffenen bedeutet das oft langfristige massive Einschränkungen im Alltags- und im Berufsleben.
Herausforderungen in der Diagnostik
Die Behandlung von Fatigue stellt Mediziner*innen, Therapeut*innen und Betroffene jedoch vor Herausforderungen: Bislang gibt es keine objektive Messmethode, um diese Erschöpfung zuverlässig zu erfassen. Patient:innen haben ein individuelles Empfinden von chronischer Erschöpfung. Das Projekt „Activity Regained – Entwicklung eines multimodalen, funktionellen Sensorsystems zur Diagnose und zum Monitoring des Erschöpfungssyndroms in der Rehabilitationstherapie“ soll diese Lücke schließen. Ziel ist es, Erschöpfung erstmals objektiv messbar zu machen. Die MEDICLIN Rehabilitationsforschung gGmbH entwickelt dazu zusammen mit der Universität Duisburg-Essen sowie den beiden Unternehmen Velamed GmbH und STAC Elektronische Systeme GmbH ein intelligentes Sensorsystem, das verschiedene Körperfunktionen gleichzeitig erfasst. Dazu gehören Bewegung und Aktivität (im Rahmen der individuellen Belastbarkeit), Herzfrequenz und Herzrhythmus, Atmung und Atemgeräusche, Reaktionsgeschwindigkeit, Stimme und Sprechmuster sowie weitere körperliche Signale wie Stoffwechselreaktionen. Das Projekt wird vom 01.01.2026 bis 31.12.2028 aus den Mitteln des EFRE/JTF-Programms NRW 2021-2027 (Gesünder.In.NRW) durch das Land NRW gefördert, kofinanziert von der Europäischen Union. Die Projektkoordination liegt beim Lehrstuhl für Mechanik und Robotik der Universität Duisburg-Essen.
„In der Diagnostik von Fatigue sind Ärztinnen und Ärzte meist auf Selbstauskünfte der Patientinnen und Patienten angewiesen. Klassische medizinische Untersuchungen wie Bluttests oder Bildgebung bleiben häufig unauffällig“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Wagner, Leitung der MEDICLIN Rehabilitationsforschung. „Das erschwert klare Diagnosen, gezielte Therapien und eine objektive Bewertung, ob Behandlungen tatsächlich helfen.“
So setzt das Projekt an
„Im Projekt „Activity Regained“ werden die Daten mit der Multisensortechnologie parallel und kontinuierlich erfasst, statt isoliert betrachtet zu werden“, erklärt Dr. Andreas Bender, Gründer von STAC. Moderne lernfähige Computerprogramme sollen typische Muster von Überlastung und Erholung in den Daten erkennen. „So können wir Erschöpfung bei Betroffenen kontinuierlich messen – nicht nur punktuell, wie wir es in früheren Messungen betrachtet haben“, erklärt Dr. Dominik Raab von der Universität Duisburg-Essen (UDE). „Die Auswertung erfolgt objektiv und kombiniert subjektives Empfinden. Therapeutinnen und Therapeuten könnten anhand der Messdaten sehen, wann Belastung sinnvoll ist und wann Pausen notwendig werden“, ergänzt Prof. Dr. Dr. Andrés Kecskeméthy (UDE).
„Die Messungen finden in einem speziell entwickelten Trainings- und Testparcours statt, wie er auch in Sporthochschulen und Reha-Kliniken genutzt wird (z. B. Ergometer, Gehstrecken, Gleichgewichtstraining)“, erklärt Dr. Peter Konrad, Geschäftsführer von Velamed. Die Belastung kann dadurch für Betroffene individuell angepasst werden. So entsteht ein individueller Trainingsplan nach Belastungs- und Erholungsprofil jeder einzelnen Person.
Im nächsten Schritt können Ärzt*innen und Therapeut*innen die Reha-Maßnahmen gezielt an das Erschöpfungslevel der Patient:innen anpassen, damit keine Überlastung entsteht. Zudem erhalten Behandelnde eine bessere Einschätzung des Krankheitsverlaufs und die Betroffenen im Umkehrschluss mehr Transparenz und Anerkennung der Erkrankung. „Wir möchten mit den Messwerten den Therapeut*innen in den Reha-Einrichtungen ein Instrument an die Hand geben, das ihnen hilft, langfristig bessere Therapien für Fatigue-Patient*innen zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. Mario Siebler, Leitung der MEDICLIN Rehabilitationsforschung. Die Ergebnisse des Projektes „Activity Regained“ sollen perspektivisch auch auf andere neurologische Krankheitsbilder übertragen werden können.
Pressekontakt:
Jelina Baumert
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Über MEDICLIN Reha Research
Die MEDICLIN Rehabilitationsforschung mit Sitz in Offenburg beschäftigt sich mit klinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen rund um die Reha und unterstützt bei der Konzeption, Umsetzung sowie professionellen Durchführung von klinischen Studien. Der Fokus der Forschung liegt dabei auf der Diagnostik, Wirksamkeit und Therapieoptimierung der Reha mit dem Ziel, Betroffenen eine sichere und moderne Nachsorge anzubieten.
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