Voneinander lernen
Ausländische Pflegefachkräfte sind aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Auch im MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Orb sind sie fester Teil des Teams. Wie gelingt ihre Integration? Birgit Schäfer, Pflegedienstleitung des Reha-Zentrums, spricht im Interview über Herausforderungen und Integrationsstrategien.

Pflegefachkräfte im MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Orb
Frau Schäfer, seit über zehn Jahren sind zahlreiche ausländische Pflegefachkräfte Teil Ihres Teams. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit?
Pflegedienstleitung Birgit Schäfer: Dass Integration nur funktioniert, wenn beide Seiten offen und kollegial aufeinander zugehen. Missverständnissen und Vorurteilen kann man zum Beispiel vorbeugen, indem man sich vorab über das Herkunftsland und die Religion der neuen Kolleginnen und Kollegen informiert. Es ist auch wichtig, zu wissen, wie die pflegerische Ausbildung im Herkunftsland aussieht: Ist es eine Ausbildung oder ein Studium? Welche Aufgaben umfasst die Pflege in der Klinik dort?
Wie unterstützen Sie die neuen Kolleg*innen bei ihrem Start in einem neuen Land?
Für den Start in unserer Klinik haben wir ein Patensystem. Die neuen Kolleginnen und Kollegen haben somit feste Ansprechpartner*innen. Das können Praxisanleiter*innen sein oder jemand aus dem Team, der sich freiwillig meldet. Ideal ist es, wenn die Paten aus demselben Heimatland kommen und inzwischen gut in Deutschland angekommen sind. Sie unterstützen unsere neuen Kolleg*innen bei der Einarbeitung, der Vorbereitung auf Klausuren und helfen bei der Überwindung sprachlicher oder kultureller Barrieren.
Trotz guter Unterstützung unsererseits, wie zum Beispiel bei der Wohnungssuche, ist es uns auch wichtig, dass unsere neuen Kolleg*innen gewisse Dinge von Anfang an eigenverantwortlich angehen, wie beispielsweise die Termine bei der Ausländerbehörde.
Wie sehen die ersten Schritte aus, wenn die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland ankommen?
Zunächst schauen wir, wie der Wissensstand ist: Wo lag der Schwerpunkt der Ausbildung im Heimatland? In welchen Bereichen müssen wir nachschulen? Dann können die Pflegekräfte entweder eine Sofortprüfung ablegen oder einen Anpassungslehrgang besuchen. Wir haben stets zwei Kurse laufen, in denen jeweils fünf Pflegekräfte sind. Den theoretischen Teil absolvieren sie im Fortbildungszentrum MaxQ in Frankfurt. Je nach Ausbildungsstand und -niveau brauchen sie für den Anpassungslehrgang sechs bis zwölf Monate.
Um den Anforderungen des Regierungspräsidiums gerecht zu werden, haben wir außerdem eine tolle Kooperation mit der MEDICLIN Seniorenresidenz Hermann-Schall-Haus in Königsfeld aufgebaut. Dort können unsere Pflegefachkräfte das Modul Altenpflege abdecken. Gut ist, dass die Kolleginnen und Kollegen bereits zeitgleich als Krankenpflegehelfer*innen mitarbeiten können. So sind sie von Anfang an in die Prozesse vor Ort eingebunden.
Spielen kulturelle Unterschiede im Arbeitsalltag eine Rolle?
Kulturelle Unterschiede sind normal. Man sollte sie anerkennen und offen darüber sprechen. Es ist wichtig, dass das gesamte Team bereit ist, sich auf die neuen Kolleg*innen einzulassen und sie aktiv zu unterstützen. Gemeinsame Aktivitäten wie Essen oder kulturelle Abende können helfen, Barrieren abzubauen und Verständnis füreinander zu entwickeln – das erleichtert die Integration und ist eine Bereicherung für alle.
Wie gehen Sie mit sprachlichen Barrieren um?
Unsere neuen Kolleg*innen sprechen alle Deutsch und erhalten weiterhin Online-Deutschunterricht. Im Alltag ermutigen wir sie, Deutsch zu sprechen, und vermeiden es, sie bei jedem kleinen Fehler zu korrigieren. Wichtig ist, dass sie sich sicher fühlen und wissen, dass sie jederzeit nachfragen können, wenn etwas unklar ist. Am Patientenbett sprechen wir ausschließlich Deutsch, aber hinter den Kulissen kann bei Bedarf auch mal auf Englisch oder Spanisch gewechselt werden.
Haben Sie noch weitere Tipps?
Persönlich hat mir sehr geholfen, dass ich meine Bereichsleitungen sehr stark eingebunden habe. Die Unterstützung war großartig und essentiell. Auch eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Verwaltung, zum Beispiel mit der Personalreferentin, ist grundlegend. Deshalb möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen für ihren tollen Einsatz bedanken.
Ebenfalls ein gutes Instrument sind zusätzliche Teamsitzungen, in denen es ausschließlich darum geht, die Bedürfnisse abzufragen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle trauen, Herausforderungen offen anzusprechen. Wir machen das einmal im Monat.
Pressekontakt:
Silvia Schilling
Pressereferentin
MEDICLIN Unternehmenskommunikation
Okenstr. 27
77652 Offenburg
Telefon 0781 / 488-189
E-Mail-Kontakt
Über das MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Orb
Das MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Orb umfasst eine Fachklinik für neurologische Rehabilitation und klinische Neuropsychologie, eine Klinik für neurologische Frührehabilitation Phase B und eine Fachklinik für orthopädische Rehabilitation. Unter dem Dach der Klinik befindet sich außerdem ein interdisziplinäres neurologisch-orthopädisches Kompetenzzentrum, in dem Patient*innen mit neurologischen und orthopädischen Funktionsstörungen fachbereichsübergreifend behandelt werden. Die Klinik verfügt über 292 Betten und beschäftigt rund 235 Mitarbeiter*innen.
----------
Über MEDICLIN
Zu MEDICLIN gehören deutschlandweit 32 Kliniken, sechs Pflegeeinrichtungen und zehn Medizinische Versorgungszentren. MEDICLIN verfügt über rund 8.300 Betten/ Pflegeplätze und beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter*innen.
In einem starken Netzwerk bietet MEDICLIN den Patient*innen die integrative Versorgung vom ersten Arztbesuch über die Operation und die anschließende Rehabilitation bis hin zur ambulanten Nachsorge. Ärzt*innen, Therapeut*innen und Pflegekräfte arbeiten dabei sorgfältig abgestimmt zusammen. Die Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Menschen gestaltet MEDICLIN nach deren individuellen Bedürfnissen und persönlichem Bedarf.
MEDICLIN – ein Unternehmen der Asklepios-Gruppe.
Tags: