Nach der COP30: Wie viel Berichterstattung über das Klima vertragen die Deutschen?
Repräsentative Readly-Umfrage: Ein Teil der Bevölkerung empfindet die Berichterstattung über der Klimawandel als einseitig, andere als zu zurückhaltend; deutliche Unterschiede zwischen Generationen und politischen Lagern

Aktivistinnen und Aktivisten demonstrieren für mehr Klimaschutz. Die öffentliche Debatte bleibt emotional. (Quelle: Unsplash, Li-An Lim)
Eine ereignisreiche 30. Klimakonferenz geht in Brasilien zu Ende. Die jährlichen Klimagipfel stehen, begleitet von Protesten, heftigen Kritiken und gezielten Fake-News-Kampagnen, inzwischen jedes Jahr unter starker Beobachtung der Öffentlichkeit. Ist der Klimawandel zum ultimativen Reizthema in den Medien geworden? Eine neue, repräsentative Umfrage* der digitalen Magazinplattform Readly zeigt, wie unterschiedlich Menschen in Deutschland die Berichterstattung über das Thema wahrnehmen.
Einigkeit nur in einem Punkt
Die Umfrage macht vor allem eines deutlich: Nur sehr wenige Menschen in Deutschland empfinden die Klimaberichterstattung als ausgewogen. Mit 11,8 Prozent liegt dieser Wert deutlich unter allen anderen Antwortkategorien. Die Mehrheit beschreibt die Berichterstattung entweder als zu alarmistisch (38,7 Prozent), zu einseitig (42,9 Prozent) oder zu zurückhaltend (22,5 Prozent) und äußert damit Kritik aus unterschiedlichen Richtungen. Als gemeinsame Linie bleibt dennoch erkennbar: Für viele Menschen stimmt die Balance nicht, unabhängig davon, ob sie sich mehr Deutlichkeit oder mehr Zurückhaltung wünschen. Knapp jeder Vierte gab an, von der Berichterstattung deutscher Medien über den Klimawandel verwirrt zu sein.
Wer nimmt wie wahr?
Besonders deutlich fallen die Unterschiede zwischen den Generationen aus. Jüngere Menschen wünschen sich häufiger eine klarere Einordnung der Klimaberichterstattung. So geben 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, dass Medien beim Thema Klimawandel zu zurückhaltend berichten. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen teilt nur ein Viertel diese Einschätzung, während bei den über 65-Jährigen nur jeder Fünfte zu dieser Ansicht kommt. Die größten Unterschiede zeigen sich jedoch entlang der Parteipräferenzen. Anhängerinnen und Anhänger der Grünen empfinden die Berichterstattung besonders oft als zu zurückhaltend (72 Prozent), während AfD-Wählerinnen und Wähler sie häufiger als alarmistisch (59 Prozent) wahrnehmen. Unterstützende von SPD, FDP, CDU/CSU und Linke bewegen sich in vielen Kategorien zwischen diesen Einschätzungen.
Folgen für Klimajournalismus
Die Ergebnisse zeigen, wie sensibel das Thema Klimaberichterstattung geworden ist. Besonders bemerkenswert ist, dass nur 16 Prozent der Befragten die Berichterstattung als faktenbasiert bezeichnen würden. „Ein so geringer Wert deutet auf ein verbreitetes Misstrauen hin, das gerade bei einem wissenschaftlich klar belegten Thema wie dem Klimawandel schwer wiegt“, sagt Marie-Sophie von Bibra, Geschäftsführerin Readly Deutschland. „Der Klimawandel ist Realität, die wissenschaftlichen Grundlagen eindeutig. Die Frage ist deshalb weniger, ob berichtet wird, sondern wie man Menschen erreicht, die sich von der Berichterstattung nicht mehr angesprochen fühlen.“ Mehr Klarheit oder mehr Zurückhaltung? Für Medien entsteht daraus ein Balanceakt, der rund um COP30 besonders sichtbar geworden ist. Entscheidend bleibt, faktenbasierte Informationen verständlich und zugänglich zu machen. Formate, Perspektiven oder Stimmen, die Vertrauen schaffen, können dabei helfen, Menschen wieder stärker mitzunehmen.
*Die repräsentative Online-Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag von Readly durchgeführt. Befragt wurden 2.500 Personen in Deutschland. Mehrfachantworten waren möglich.
Befragte Grundgesamtheit:
Bundesdeutsche Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren (2.500)
Statistische Angaben bei Veröffentlichungen:
Civey hat für Readly vom 23.07. bis 25.07.2025 online 2.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,8 bis 3,9 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier.
Pressekontakt:
Katharina Braun, PR
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