Unterschiedliche Medienerfahrungen prägen Ost und West auch 35 Jahre nach der Einheit
- Repräsentative Readly-Umfrage zeigt deutliche Unterschiede im Medienvertrauen
- Mehr Ostdeutsche meiden Nachrichten bewusst aus Selbstschutz als im Westen, Gefühl mangelnder Repräsentation und eingeschränkter Meinungsfreiheit im Osten deutlich stärker verbreitet
- Große Differenzen auch bei Themen wie Ukraine-Krieg und Klimaberichterstattung

Quelle: Canva
Berlin, 18. September 2025: Am 3. Oktober feiert Deutschland 35 Jahre Wiedervereinigung. In einer Zeit, in der Fragen nach Medienvertrauen, Desinformation und gesellschaftlichem Zusammenhalt stark diskutiert werden, zeigt eine neue repräsentative Umfrage von Readly in Zusammenarbeit mit Civey: Ost- und Westdeutsche erleben die Medienlandschaft bis heute sehr unterschiedlich.
Mediennutzung mit deutlichen Unterschieden
Mehr als ein Viertel der Ostdeutschen (28,7 Prozent) gibt an, Nachrichten bewusst zu meiden, um sich zu schützen. Im Westen liegt dieser Wert bei 22 Prozent. Auch die Intensität der Nutzung unterscheidet sich. Während im Westen nur rund jeder Zehnte (10,1 Prozent) selten Nachrichten verfolgt, ist es im Osten fast jeder Fünfte (18,2 Prozent).
Viele fühlen sich nicht gehört
Besonders groß ist die Lücke beim Blick auf die Frage, ob Menschen sich in den Medien repräsentiert fühlen. Im Osten sehen sich sieben von zehn Befragten nicht ausreichend vertreten. Im Westen teilen knapp sechs von zehn diese Einschätzung. Auch beim Gefühl, die eigene Meinung frei äußern zu können, zeigt sich ein deutlicher Unterschied: 60,3 Prozent im Osten fühlen sich eingeschränkt, im Westen 46,6 Prozent.
Ukraine und Klima spalten Wahrnehmung
Beim Ukraine-Krieg sagen mehr als ein Viertel der Ostdeutschen, sie könnten ihre Meinung dazu nicht frei äußern. Im Westen sind es 18 Prozent. Beim Klimawandel empfinden 43 Prozent der Ostdeutschen die Berichterstattung als alarmistisch, im Westen 37 Prozent. Umgekehrt hält im Westen fast ein Viertel (24,8 Prozent) die Berichterstattung für zu zurückhaltend, im Osten nur 14,2 Prozent.
Medienvertrauen als Demokratiefaktor
Die Ergebnisse zeigen: Mediennutzung ist weit mehr als reine Informationsaufnahme. Sie beeinflusst Vertrauen, Teilhabe und das gesellschaftliche Selbstverständnis. Dass Vertrauen in Medien eng mit der Einstellung zur Demokratie zusammenhängt, bestätigt auch der Info-Monitor 2025 der Medienanstalten. Demnach vertrauen 60 Prozent der Deutschen etablierten Medien, während Misstrauen vor allem mit einer geringeren Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen korreliert. Die Readly-Umfrage ergänzt dieses Bild um eine Ost-West-Perspektive und verdeutlicht, wie unterschiedlich Erfahrungen und Wahrnehmungen 35 Jahre nach der Einheit noch immer sind.
„Unsere Umfrage zeigt, dass Mediennutzung nicht neutral ist. Sie prägt das Vertrauen in Institutionen und das Gefühl, gesellschaftlich eingebunden zu sein. Zum 35. Jahrestag der Einheit ist das ein Hinweis darauf, warum sich viele Menschen in Ostdeutschland bis heute weniger repräsentiert fühlen“, sagt Marie-Sophie von Bibra, Deutschlandchefin von Readly.
Repräsentative Online-Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Readly. Befragungszeitraum Juli 2025. n = 2.500 in Deutschland.
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