Simon-Kucher-Studie: Auswirkungen von Rating-Strategien auf den Preisdruck in der Automobilindustrie

Eine aktuelle Studie* zeigt: Unternehmen aus der Automobilindustrie berichten von starkem Preisdruck und weitreichenden Preiskämpfen. Ratings sind zu einem entscheidenen Fakor bei der Kaufentscheidung geworden.

14. November 2019 – 83 Prozent der Unternehmen aus der Automobilindustrie geben an, in den letzten zwei Jahren einen höheren Preisdruck erlebt zu haben. Darüber hinaus sagen 73 Prozent, derzeit in einen Preiskampf verwickelt zu sein. Folglich planen Automobilunternehmen vor allem Preiserhöhungen unterhalb der Inflation. 35 Prozent der Automobilunternehmen berichten, dass sie nur zwischen 20 und 40 Prozent der geplanten Preiserhöhungen realisieren.

Die Bedeutung von Ratings in der Automobilindustrie

In der Automobilindustrie finden sich Ratings aktuell in verschiedenen Formen: von Expertenberichten in der Fachpresse über quantifizierte Kundenbewertungen bis zu qualitativen Kommentaren in speziellen Foren. Aus Kundensicht sind Ratings zu einem entscheidenden Faktor geworden, um die Kaufentscheidung zu beeinflussen: Knapp 50 Prozent der Kunden in der Automobilindustrie überprüfen Bewertungen vor dem Autokauf und circa ein Drittel berichtet über die wichtigsten Kaufentscheidungskriterien. Ein Trend, den die Automobilunternehmen inzwischen erkannt haben. Die Relevanz von Ratings ist im Vergleich zu anderen Branchen höher. Für Unternehmen dienen sie als Instrument zur besseren Durchsetzung geplanter Preiserhöhungen. Die erwartete Umsatzsteigerung durch höhere Bewertungen liegt bei knapp 21 Prozent.

Zum Umgang mit Kundenbewertungen gibt es jedoch kaum Strategien. 79 Prozent der Befragten geben an derzeit keine Strategie zu haben. Darüber hinaus sagen 72 Prozent derzeit ebenfalls keine Strategie zur Verbesserung der Kundenbewertungen zu haben.

Mehrheit der Automobilhersteller hat kein Bewertungssystem auf der Webseite

Die Studie zeigt zudem: Ein Bewertungssystem kann den Direktvertrieb fördern. Doch was wird wo bewertet? Es wird unterschieden zwischen Ratings im „kontrollierten Umfeld“, beispielweise auf der eigenen Webseite, und Ratings im „unkontrollierten Umfeld“, beispielsweise bei Amazon. Es gibt erste Versuche im Markt im „kontrollierten Umfeld“ sowie im „unkontrollierten Umfeld“ im Bereich der Produktbewertung (zum Beispiel Fahrzeugqualität, Preis-Leistungs-Verhältnis und Teileverfügbarkeit). Ein Bewertungssystem im Bereich Vertrieb (zum Beispiel Servicelevel, Mitarbeiterkompetenz oder Freundlichkeit beim Vertragshändler) wird es im „kontrollierten Umfeld“ voraussichtlich nicht in naher Zukunft geben. Im „unkontrollierten Umfeld“ wird dies hingegen sehr wahrscheinlich schon bald umgesetzt. Antoine Weill, Partner in der globalen Automotive Pratice bei Simon-Kucher, sagt: „Einer der wichtigsten Wendepunkte wird die Entstehung einer Plattform sein, die in Bezug auf Transparenz und Unabhängigkeit unbestreitbar sein wird. Ratings in kontrollierten Umgebungen werden sich letztendlich nur darauf beziehen können. Stiftung Warentest oder Yuka, eine App für das Smartphone, die dem Verbraucher eine Entscheidungshilfe beim Einkaufen von Lebensmitteln und Kosmetika bietet, zeigen wie stark Verbraucherorganisationen oder sogar einfache Apps an Einfluss gewinnen können.“


*Über die Studie: In der Global Pricing Study (GPS) befragt Simon-Kucher & Partners regelmäßig Unternehmen weltweit aus den unterschiedlichsten Branchen zu ihren Wachstums-, Preissetzungs- und Digitalisierungsstrategien. An der GPS 2019, die dieses Jahr erstmals in die neue globale Simon-Kucher „Trend Radar“-Studie eingebettet war, nahmen im Rahmen einer Online-Befragung zwischen März und April mehr als 1.600 Unternehmen aus über 30 Ländern teil.

Der Trend Radar ist eine zweiteilige Studie. Unter dem Fokus „The Rating Economy 2019“ beantworteten in Teil 1 der Trend-Radar-Studie (Konsumentenbefragung) rund 6.400 Verbraucher in 23 Ländern weltweit Fragen zu ihrem Ratingverhalten. Mehr als 1.600 Unternehmen aller Branchen wurden in Teil 2 (Unternehmensbefragung) der Trend-Radar-Studie zu ihrer Rating-Strategie befragt.

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants: Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut mehrerer Studien unter deutschen Top-Managern (manager magazin, Wirtschaftswoche, brand eins) ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater und führend im Bereich Pricing und Wertsteigerung. Die Unternehmensberatung ist mit über 1.400 Mitarbeitern in 39 Büros weltweit vertreten.

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