Nachfrage übersteigt Angebot: Spekulationsobjekt Bio-Getreide

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Bohlsen, 12. März 2021 – Anfang März berichtete das Nachrichtenportal für die Landwirtschaft, agrarheute, dass der FAO-Agrarpreisindex (FFPI)  im Februar 2021 ein neues Allzeithoch erreicht hat und die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse explosionsartig steigen.

Die Bohlsener Mühle erlebt dies ganz konkret: „Wenn wir überhaupt Ware bekämen, so zahlten wir im Augenblick für Bio-Dinkel mehr als das Doppelte dessen, was wir zum Erntezeitpunkt im Juli 2020 gezahlt haben.“, erläutert Mathias Kollmann, Geschäftsführer des niedersächsischen Getreideverarbeiters. „Wer die Hintergründe kennt weiß, dass wir auf einen massiven Versorgungsengpass zusteuern.“ Eine Ursache dafür sieht der Betriebswirt und langjährige Kenner des deutschen Lebensmittelmarktes darin, „dass die Schere immer weiter auseinanderklafft – zwischen Bio-Nachfrage durch die Verbraucherinnen und Verbraucher und den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft.“ In Zahlen ausgedrückt: 2020 ist der Absatz an Bio-Lebensmitteln um 22,3 % gestiegen, die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf ökologische im gleichen Zeitraum um 5,3 % .

Nahrungsmittelspekulation ist für Kollmann der zweite Grund: „Einmal mehr sind die Landwirtinnen und Landwirte die Verlierer“. Da nur die ganz Großen unter ihnen eigene Lagerkapazitäten aufbauen können, verkaufen sie ihr Getreide an Großhändler zum Preis des Erntezeitpunkts. Von dem mehr als 100-prozentigen Preisanstieg bekommen Landwirte und Landwirtinnen nichts ab. Stattdessen nutzen Rohwarenhändler die Verknappung und treiben den Preis durch Zurückhaltung der Ware weiter nach oben. Und noch ein weiterer Aspekt der Rohstoffknappheit bringt den Geschäftsführer des Bio-Pioniers Bohlsener Mühle in Aufruhr: „Die Rohstoffbeschaffung wird zu einem Kampf, den die mittelständisch geprägte Lebensmittelwirtschaft in Konkurrenz zur global agierenden Industrie ziemlich sicher verlieren wird“. Eine Entwicklung, die dem entgegenläuft, für was der geschäftsführende Gesellschafter der Bohlsener Mühle, Volker Krause, zusammen mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Bio-Branche seit 40 Jahren einsteht: die Stärkung des breitgefächerten, regional und zukunftsfähig wirtschaftenden Mittelstands in enger Kooperation mit den Bio-Landwirtinnen und Landwirten.

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Die Rohstoffbeschaffung wird zu einem Kampf, den die mittelständisch geprägte Lebensmittelwirtschaft in Konkurrenz zur global agierenden Industrie ziemlich sicher verlieren wird.
Mathias Kollmann, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle
Wenn wir überhaupt Ware bekämen, so zahlten wir im Augenblick für Bio-Dinkel mehr als das Doppelte dessen, was wir zum Erntezeitpunkt im Juli 2020 gezahlt haben.
Mathias Kollmann, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle